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Neuestes Handke-Werk: Ein Weihespiel für Eingeweihte

Peter Handke gibt mit „Mein Tag im anderen Land“ viele Rätsel auf. Manche Dämonen lassen sich mit der Erzählung aber trotzdem vertreiben.

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Unbestritten streitbar: Der Kärntner Schriftsteller Peter Handke wurde 2019 mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet.
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Von Joachim Leitner

Innsbruck – Eine „Dämonengeschichte“ nennt Peter Handke seine jüngste, heute als Buch erscheinende Erzählung „Mein Tag im anderen Land“. Sie ist eine Geschichte über das Gerede. Jedenfalls der erste Teil. Denn den rekonstruiert der, der hier erzählt, aus dem, was ihm zugetragen wurde. Er selbst kann das, was ihm widerfahren, das, was in ihn gefahren ist, nicht erinnern. Er muss es sich, wohl Jahre später, aus Hörensagen erschreiben. Eines Tages sei er, dem Vernehmen nach schon davor nicht gerade verhaltensunauffällig, zum Sonderling geworden. Er habe sich zurückgezogen an einen Ort, der einst Friedhof war – und ist von dort täglich losgezogen, um in der Öffentlichkeit Zeter und Mordio zu schreien. Andere wissen von Orakelsprüchen, die er denen, die ihm zuhörten, zielgenau entgegenschleuderte. Anhänger soll er um sich geschart haben. Und erbitterte Gegner. Für seine Schwester, die ihn mit einer Auswahl verschiedener Apfel­sorten versorgt, war der spätere Erzähler eine ­Zeitlang nicht bei ­Bewusstsein. Für andere war er nicht bei Sinnen, besessen vielleicht. Er diagnostiziert sich in der Nachschau am Schreibtisch „Selbstübersteigerung“ und „Außersichgeratensein“.


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