Linie Landeck–Mals: „Schnellbus verdient diesen Namen nicht“

Grenzüberschreitende Buslinie Landeck–Mals soll frühestens 2023 realisiert werden. VVT klärt auf.

Am Bahnhof Landeck-Zams: Zahlreiche Schüler nutzen den Bus in Richtung Obergricht. Die Öffi-Fahrt Landeck–Mals dauert derzeit zwei Stunden, auf der Strecke liegen 31 Haltestellen.
© Wenzel

Landeck, Nauders, Mals – Attraktiv ist etwas anderes: Wer den Öffi-Bus für die 75-Kilometer-Strecke von Landeck nach Mals nimmt, muss viel Zeit haben – eine Stunde und 58 Minuten. Noch dazu bleibt den Fahrgästen ein Umstieg nicht erspart.

Es könnte auch schneller gehen: Im Dezember hat der Landtag einstimmig die Weichen für eine „umsteigefreie Schnellbusverbindung Landeck–Mals“ gestellt. Der Antrag kam von Landtagsvizepräsident Toni Mattle (ÖVP) und von LA Michael Mingler (Grüne).

Vorlaufzeit von mindestens zwei Jahren

Das Interesse an einem attraktiven ÖPNV (öffentlichen Personennahverkehr) scheint diesseits und jenseits des Reschen groß zu sein. Doch wer nach dem Landtagsbeschluss eine rasche Realisierung der Buslinie erwartet hat, etwa die Oberländer Initiativgruppe „Pro Reschenbahn“, muss sich in Geduld üben. LHStv. Ingrid Felipe teilte kürzlich mit: „Der tatsächliche Zeitpunkt für den Start hängt wesentlich von der Sicherstellung der Finanzierung in den Ländern und der Wahl der Vergabe ab.“ Wenn die der Finanzierung der Buslinie gesichert ist, müsse man „mit einer Vorlaufzeit von mindestens zwei Jahren bis zur Inbetriebnahme rechnen“.

Schwer enttäuscht regiert „Pro Reschenbahn“. Die Gruppe sieht den Schnellbus als „wichtiges Vorprojekt“ in Hinblick auf die Realisierung der Bahntrasse von Landeck nach Mals. „Aber unter diesen Vorzeichen verdient der Schnellbus seinen Namen nicht“, bringt Hans Kröll seinen Ärger auf den Punkt. Die Leute aus dem Obervinschgau (Raum Mals) würden, so Kröll, derzeit über Meran und Bozen nach Innsbruck (211 Kilometer) fahren. Mit dem Schnellbus Mals–Landeck und weiter mit dem Zug nach Innsbruck (141 Kilometer) wäre die Strecke um einiges kürzer.

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Lentsch (SPÖ) hätte sich schnellere Vorgangsweise erwartet

Das Thema aufgegriffen hat diese Woche auch LA Benedikt Lentsch (SPÖ); „Von Schwarz-Grün ist der Schnellbus groß angekündigt und versprochen worden. Die Realität schaut jetzt aber leider anders aus.“ Er hätte sich eine schnellere Vorgangsweise erwartet.

Für den VVT, der mit der Umsetzung auf Nordtiroler Seite beauftragt ist, erläuterte Mobilitätsplaner Philipp Larcher: „Für uns ist diese grenzüberschreitende Linie eine Premiere. Da müssen wir zahlreiche Details rechtlich unter Dach und Fach bringen.“ Keinesfalls wolle man sich einen Einspruch inklusive Gerichtsverfahren leisten – etwa bei der Ausschreibung.

Zudem sind laut Larcher mehrere bauliche Maßnahmen nötig, zum Beispiel Busbuchten und Wendeschleifen. Bei der Kajetansbrücke (Gemeinde Pfunds) soll ein großer Busknotenpunkt mit Umstiegsmöglichkeit in Richtung Scuol (Engadin) entstehen. (hwe)


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