Neue Form des Briten-Virus führt zu Ausreise-Testpflicht im Bezirk Kufstein und Tirol

Wegen der britischen Mutation, die hauptsächlich in Bezirken Schwaz und Kufstein vorkommt, wurde mit Gesundheitsministerium erneut eine Testpflicht vereinbart – diese betrifft auch die Ausreise aus ganz Nordtirol. In Innsbruck häufen sich indes familiäre Cluster.

  • Artikel
  • Diskussion (10)
In Tirol gibt es jetzt eine Testpflicht für einzelne Gemeinden, für die Bezirke Kufstein und Schwaz sowie bei der Fahrt in ein anderes Bundesland. Davon ausgenommen ist erneut Osttirol.
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Von einer Mutation zur anderen: Konnte zuletzt die südafrikanische Coronavirus-Mutation erfolgreich im Bezirk Schwaz eingedämmt und von 193 auf 25 Fälle reduziert werden, so bereitet den Gesundheitsbehörden jetzt eine neue Form des Briten-Virus Kopfzerbrechen. Generell hat sich das Infektionsgeschehen in den vergangenen zwei Wochen in Tirol deutlich erhöht, in den Bezirken Kufstein und Schwaz weisen zwischenzeitlich 157 Corona-Infizierte diese britische Variante mit weiteren Mutationsmerkmalen auf. Tirolweit sind es 216.

Deshalb wurde am Wochenende bereits eine Ausreisetestpflicht für den Bezirk Kufstein vorbereitet, allein in der Festungsstadt sind 70 Personen Corona-positiv. Auch eine Tragepflicht von FFP2-Masken auf bestimmten Plätzen wird verordnet. Vom 31. März bis zum 14. April ist zum Verlassen des Bezirkes ein negativer Corona-Test nötig, für den Bezirk Schwaz ist diese Maßnahme ohnehin noch bis 1. April aufrecht. Sie dürfte jedoch verlängert werden.

„Wir beobachten die Situation besonders genau und legen vorsorglich besonders strenge Maßstäbe an.“ – Elmar Rizzoli
 (Leiter des Krisenstabs)
© Thomas Boehm / TT

Weil man noch zu wenig über die gesundheitlichen Auswirkungen der neuen Briten-Mutante weiß – der Virusstamm ist in der Vergangenheit bereits vereinzelt in anderen Teilen Österreichs aufgetaucht –, hat das Land Tirol in Abstimmung mit dem Bund eine neuerliche Testpflicht für Nordtirol ebenfalls bis 14. ­April vereinbart. Sie wurde vom Gesundheitsministerium gewünscht, ausgenommen ist wie im Februar Osttirol.

Von der Generaldirektion für öffentliche Gesundheit wird derzeit gerade medizinisch abgeklärt, wie die Eigenschaften dieses britischen Virustyps die Corona-Ausbreitung beeinflussen. Es sei entscheidend, ob dieser Virustyp die Schutzwirkung der Covid-Impfung vermindert, heißt es vom Krisenstab des Landes. Dazu dessen Leiter Elmar Rizzoli: „Wir beobachten die Situation besonders genau und legen vorsorglich besonders strenge Maßstäbe an, um diesen Coronavirus-Typ bestmöglich einzudämmen.“ Von den derzeit 28 intensivmedizinisch betreuten Covid-Patienten in Tirols Spitälern hat sich eine Person mit dieser speziellen Virusmutation infiziert.

TT-ePaper gratis lesen und ein E-Bike gewinnen

Die Zeitung kostenlos digital abrufen. Der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Landesregierung und Parteien beraten über die Lage

Schwarz-Grün hat für heute kurzfristig einen Klubobleuterat mit allen im Landtag vertretenen Parteien einberufen. Mit der Landesregierung wird über die Lage diskutiert. Ein Oster-Lockdown wie in Ostösterreich ist für LH Günther Platter (VP) vorerst kein Thema, ausgeschlossen soll er aber nicht mehr sein.

Kopfzerbrechen bereitet der Politik außerdem die mangelnde Disziplin in Teilen der Bevölkerung. Zuletzt haben sich nämlich unerlaubte Zusammentreffen, Feiern und "Corona-Partys" gehäuft.

Familiencluster in Innsbruck

In der Landeshauptstadt Innsbruck blickt Bürgermeister Georg Willi (Grüne) besorgt auf die derzeitige Entwicklung. „Leider steigen auch bei uns die Zahlen deutlich an.“ Die Situation müsse genau beobachtet werden. Sehr viele positive Fälle würden allerdings auf „familiäre Cluster“ entfallen. Dazu kämen noch die Infektionsketten bei den Obdachlosen: „Ich werde mich eng mit dem Krisenstab des Landes und Professor Günter Weiss absprechen. Wichtig ist immer der Blick auf die Intensivstationen“, sagt Willi. Lokale Maßnahmen wie ein Freitesten wären in Innsbruck kaum möglich, da müsste es schon regionale Schritte wie in Ostösterreich geben. Dort gilt ab Gründonnerstag ein Oster-Lockdown.

Von Platzsperren in Innsbruck hält der Bürgermeister nichts. „Es ist besser, dass sich die Menschen im Freien aufhalten.“ Zugleich appelliert Willi an die Bevölkerung und die jungen Menschen, unbedingt den notwendigen Abstand einzuhalten. Indessen unterstützt die Liste „Für Innsbruck“ den Vorstoß von Vizebürgermeister Johannes Anzengruber (VP), der bereits Sperren (Marktplatz) überlegt.

Sicherheitssprecher Kurt Wallasch holt dabei zu einer Breitseite gegen Studenten aus. „Ich bin immer noch fassungslos, mit welcher Rücksichtslosigkeit viele Studierende gegenüber ihren Mitmenschen auftreten. Keine Abstände, kein Mund-Nasen-Schutz auf engstem Raum – und das in einer Zeit, in der die Zahlen der Infektionen wiederum massiv steigen.“ Dies führe die Stadt geradewegs in den nächsten Lockdown. (pn)


Kommentieren


Schlagworte