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Nachhaltigkeitsexpertin Nunu Kaller: „Den Zeigefinger mag ich nicht“

Die Nachhaltigkeitsexpertin Nunu Kaller legt in ihrem neuen Buch die Mechanismen des Konsums von der Biologie bis zur Werbung frei und sucht nach Wegen, die zu einem besseren Konsum führen könnten.

Der Einkaufswagen darf auch einmal leer bleiben, wenn man etwas wirklich nicht braucht.
© iStockphoto

Sie beschäftigen sich seit 2012, als Sie ein Jahr lang nichts kauften, mit dem Thema Konsum. Warum lässt es Sie nicht los?

Nunu Kaller: Damals wollte ich es mir und anderen einfach beweisen, dass ich es ein Jahr lang ohne Kleiderkauf aushalten kann. Das Thema hat mich dann gefesselt. Es hat so viele Facetten: Wir leben in einem System, das auf Kaufkraft basiert. Wir identifizieren uns mit Konsum, wir geben damit an. Konsum hat so viele Auswirkungen, sowohl sozial als auch ökologisch. Man kommt von einem Aspekt zum nächsten. Ich war streckenweise total überfordert und dachte, ich kann’s gar nicht richtig machen. Wir können aber nicht nicht konsumieren. Selbstversorgung ist in der Theorie zwar machbar, aber sie hat keine ­Massentauglichkeit. Den Kapitalismus können wir nicht von heute auf morgen aufheben. Deswegen brauchen wir massentaugliche Lösungen innerhalb des Systems und es muss schnell gehen. Stichwort: Klimawandel.

Nunu Kaller war von 2014 bis 2019 Konsumentensprecherin bei Greenpeace. Seit diesem Jahr berät die Wienerin mit ihrer Agentur „THINK kallerful“ Firmen in Kommunikations- und Nachhaltigkeitsfragen.
© Hirtzberger

Sie sprechen in Ihrem neuen Buch „Kauf mich! Auf der Suche nach dem guten Konsum“ (K&S, 240 S., 22 Euro) die boomende Achtsamkeitsbewegung an. Diese schreibt sich bewussten Konsum ja auch auf die Fahnen. Ist es nicht schon ein Luxus, wenn man sich überhaupt über Konsum Gedanken machen kann?


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