„Concrete Cowboy”: Der Wilde Westen von Philadelphia

„Concrete Cowboy” erzählt eine Vater-Sohn-Geschichte inmitten afroamerikanischer Reit-Kultur. Der Film mit Idris Elba startet am Freitag auf Netflix.

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Idris Elba, Caleb McLaughlin (Mitte) und ihre authentischen Mitreiterinnen und Mitreiter in „Concrete Cowboy“. Ab Freitag auf Netflix.
© Netflix

Innsbruck – Cowboys sind klassische Leinwandhelden. Im echten Leben waren sie einst einfach hart arbeitende Viehhirten – viele von ihnen Afroamerikaner. Doch im Kino der John-Wayne-Ära kommen fast ausschließlich Weiße vor. Die Zeit der Western-Helden im Kino ist mittlerweile sowieso lange vorbei. Deshalb ist der afroamerikanische Teenager Cole in unserer Gegenwart auch wenig begeistert, als er zu seinem unbekannten Cowboy-Vater Harp nach Philadelphia kommt. Zumal der eigentlich bei der Stadtreinigung arbeitet und nur nebenher beim so genannten „Urban Horseback Riding“ zu Pferde sitzt. Cole taucht also unfreiwillig und widerwillig in diese neue Welt ein.

Ricky Staubs setzt seinen Debütfilm „Concrete Cowboy“ auf die recht klassischen Schienen einer Vater-Sohn-Geschichte. Doch links und rechts reiten interessante Nebenfiguren und es breitet sich die Landschaft einer ungewöhnlichen Subkultur aus, die es tatsächlich gibt.

Der „Fletcher Street Urban Riding Club“ ist eine mehr als 100 Jahre alte Vereinigung schwarzer Cowboys, als letzter noch nicht von Bauprojekten zerstörter Stall am Stadtrand von Philadelphia. Rundherum wird die Kleinkriminalität im Ghetto zur Gefahr für junge Schwarze wie Cole. Überstrenge Drogenpolitik bei Afroamerikanern bildet hier den realpolitischen Gegenpol zu den surrealen Cowboy-Bildern. Tatsächlich fungiert das Reiten sogar als eine Art Sozialarbeit, die perspektivlose Kinder von der Straße holt.

📽️ Offizieller Trailer | Concrete Cowboy | Netflix

Basierend auf dem Jugendroman „Ghetto Cowboy“ von Greg Neri, gibt Regisseur Staub diesem Umfeld viel Platz, mit großen Bildern in Slow-Motion, die nur der urbane Hintergrund von einem klassischen Western abhebt. Western-Musik wird dagegen mit modernem Hip-Hop ergänzt.

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Die aufkeimende Beziehung zwischen Cole und seinem Vater Harp verhandelt der Film angenehm dezent. Nur einmal kommt zur Sprache, dass Harp kurz nach der Geburt seines Sohnes selbst ins Gefängnis musste, ihn aber noch nach John Coltrane benannt hat.

Es ist eine typisch maskuline, wortkarge Annäherung über den Umweg der Reiterei. Zumindest zwei Reiterinnen (Lorraine Toussaint und Ivannah-Mercedes) geben der Männergeschichte mit starken Auftritten ein wenig Balance.

Der britische Star Idris Elba brilliert als cooler Cowboy. Auch Caleb McLaughlin („Stranger Things“) überzeugt als Cole. Die Reiterinnen und Reiter um die beiden herum spielen sich teilweise selbst. Diese Authentizität ist in „Concrete Cowboy“ perfekt spürbar. (maw)


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