Match um verpflichtende Kennzeichnung beim Wirt

Anschober legt ÖVP seine Verordnung vor, die auch Pflicht-Kennzeichnung in Gastronomie vorsieht. Landwirtschaftskammer lobt Grünen-Vorschlag.

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Wo kommen die Zutaten für das Schnitzel her? Auch in der Gastronomie soll eine Kennzeichnung zur Pflicht werden, so der Plan.
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Wien – Konsumentenschutzminister Rudolf Anschober (Grüne) will verpflichtende Herkunftsangaben auch in der Gastronomie umzusetzen. Der Koalitionspartner ÖVP dagegen sprach bisher immer davon, dass in der Gastronomie eine Freiwilligkeit bei den Angaben herrschen sollte.

Anschober sieht sein Vorhaben zur verpflichtenden Kennzeichnung auch in der Gastronomie mit dem Koalitionsabkommen gedeckt. Dort ist von einer Umsetzung in der Gemeinschaftsverpflegung die Rede. „Der gesamte Bereich ist von der österreichischen Rechtsordnung umfasst“, betonte Anschober gestern – somit auch die Gastronomie. Er hat einen entsprechenden Verordnungsentwurf für eine transparentere Herkunftskennzeichnung bei Lebensmitteln fertig und will diesen mit der ÖVP beraten.

Es gehe um Kantinen, öffentliche Küchen, Schulen, Betreuungseinrichtungen „bis hin zu Restaurants und Catering“. Obwohl die ÖVP bisher in der Gastronomie für Freiwilligkeit bei Herkunftsangaben stand, gehe Anschober „zuversichtlich in die Gespräche“ mit der Kanzlerpartei. Gekennzeichnet werden soll die Herkunft von Fleisch, Milch und Eiern. Es gehe um mehr Regionalität, Qualität und Tierschutz, aber auch darum, dass Österreich jetzt Vorreiter in der EU sei.

Der Präsident der Landwirtschaftskammer, Josef Moosbrugger (ÖVP), lobte den „verbesserten Vorschlag“ Anschobers. „Der Vorschlag des Konsumentenschutzministeriums bildet den Inhalt des Regierungsprogramms ab, geht in Teilen sogar darüber hinaus, wie bei der Einbindung der Gastronomie.“ Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) hingegen verwies darauf, dass sich die Gas­tro-Freiwilligkeit ebenfalls mit dem Regierungsprogramm decken würde.

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Im Verordnungsentwurf der Grünen findet sich auch der Punkt für einen Lückenschluss in den Lieferketten, also im Business-to-Business-Bereich. Dabei geht es darum, dass die Gastronomen aufgrund der Angaben, die sie erhalten, überhaupt die Möglichkeit haben, die Herkunft ihrer Produkte darzustellen. Das soll in den vorgelagerten Bereichen aber auf freiwilliger Ebene geschehen, so Anschober. Bei verpackten Lebensmitteln soll die Herkunft von Milch und Eiern künftig angegeben werden müssen. Die Angaben zu Primärzutaten sollen strenger geprüft werden.

„Eine Herkunftskennzeichnung ist gerade in der Gastronomie einfach zu bewerkstelligen, wenn man frisch und einfach kocht“, sagte die grüne EU-Politikerin und Gastronomin Sara Wiener.

Die Nahrungsmittelindus­trie ist strikt gegen Herkunftsangaben, die über die EU-Vorgaben hinausgehen.


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