Gefängnis-Verwaltung weist Nawalnys Vorwürfe zurück

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Die russische Gefängnis-Verwaltung hat Vorwürfe des in einen Hungerstreik getretenen Kreml-Kritikers Alexej Nawalny wegen schlechter Behandlung zurückgewiesen. Nawalny erhalte die notwendige medizinische Versorgung und ihm werde auch ausreichender Schlaf gewährt, teilte die Verwaltung am Donnerstag Reuters mit. Allerdings müsse der Gefangene vom Personal regelmäßig überwacht werden. „Dies steht aber nicht im Widerspruch zu den Rechten des Verurteilten“.

Auch der Kreml sieht im Fall Nawalnys vorerst keinen Grund zum Handeln. „Das ist keine Angelegenheit auf der Tagesordnung des Staatsoberhauptes“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow laut Agentur Interfax am Donnerstag.

Nawalny ist nach eigener Auskunft aus Protest gegen unzureichende medizinische Versorgung in den Hungerstreik getreten. Das hatte er in einem handgeschriebenen Brief an die Gefängnisleitung berichtet, der von Nawalnys Unterstützerteam auf Internetplattformen veröffentlicht wurde. Der 44-Jährige klagt über heftige Schmerzen im Rücken und in den Beinen. Nawalny schrieb, er werde in dem Lager nicht nur durch Schlafentzug gefoltert, sondern auch medizinisch nicht ausreichend versorgt. Er fordert eine angemessene medizinische Versorgung durch einen Arzt seiner Wahl, die ihm nach eigener Darstellung aber verwehrt wird.

Der Arzt Alexej Barinow hatte Reuters gesagt, Nawalnys Anwälte hätten ihn gebeten, den Gefangenen zu behandeln. Er habe von der Gefängnisverwaltung aber noch keine Antwort auf seine Anfrage erhalten.

Nawalny war im Februar in einem viel kritisierten Prozess zu mehrjähriger Straflager-Haft verurteilt worden, weil er in einem früheren Strafverfahren gegen Meldeauflagen verstoßen haben soll. Er ist im Ort Pokrow rund 100 Kilometer östlich von Moskau inhaftiert.

Die Menschenrechtlerin Olga Romanowa von der Gefangenen-Hilfsorganisation Russland hinter Gittern (Rus Sidjaschtschaja) erklärte, ein Hungerstreik sei „ein wirksames Mittel“. Der prominente Gegner von Präsident Wladimir Putin kämpfe nicht nur für seine Rechte, sagte Romanowa in einem Interview des unabhängigen Internetsenders Doschd. „Er kämpft um sein Leben.“ Das russische Gesetz schreibe vor, dass nun ein Staatsanwalt Nawalny besuchen und sich mit dessen Vorwürfen und Forderungen auseinandersetzen müsse.


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