Superwahlsonntag in den Anden: Peru und Ecuador suchen Staatschefs

Mitten in der Pandemie suchen Peru und Ecuador heute neue Krisenmanager für das höchste Amt im Staat.

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In Ecuador ritt der Sozialist André Arauz hoch zu Ross zur Wahlkampf­veranstaltung ein.
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Quito, Lima – Superwahlsonntag in den Anden: In Ecuador und Peru wählen die Menschen heute neue Staatschefs. Während sich in Ecuador zwei Bewerber in der Stichwahl ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern, lässt sich in Peru unter den 18 Kandidaten für das höchste Amt im Land kein Favorit ausmachen.

In der zweiten Runde der Präsidentenwahl in Ecuador treten der konservative Banker Guillermo Lasso und der Linkskandidat Andrés Arauz gegeneinander an. In den jüngsten Umfragen liegen beide Kandidaten fast gleichauf bei etwa 50 Prozent der Stimmen.

Arauz gilt als Zögling des früheren Präsidenten Rafael Correa. Im Falle eines Wahlsiegs dürfte er an die Politik des „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ seines Ziehvaters anknüpfen, Subventionen hochfahren, sich gegen das vom Internationalen Währungsfonds (IWF) geforderte Sparprogramm stemmen und sich um eine Wiederbelebung des südamerikanischen Staatenbündnisses Unasur bemühen.

Lasso bewirbt sich bereits zum dritten Mal um die Präsidentschaft und gilt als ewiger Kandidat in Ecuador. Der Banker steht für eine liberale Wirtschaftspolitik. Er will Arbeitsplätze schaffen und ausländische Investoren anlocken. Der 65-Jährige ist Mitglied der ultrakonservativen Vereinigung Opus Dei und spricht sich strikt gegen gleichgeschlechtliche Ehen sowie Abtreibung aus.

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Das südamerikanische Land steckt wegen des Verfalls der Ölpreise und der Corona-Pandemie in einer tiefen Wirtschaftskrise. Der bisherige Präsident Lenín Moreno war zuletzt in der Wählergunst stark abgerutscht und hatte sich gar nicht erst zur Wiederwahl gestellt.

In Peru will Keiko Fujimori, die Tochter des ehemaligen Macht­habers Alberto Fujimori, an die Staatsspitze.
© AFP

Das Rennen um die Präsidentschaft in Per­u ist vollkommen offen. Insgesamt bewerben sich 18 Kandidaten um das höchste Staatsamt, die stärksten fünf liegen praktisch gleichauf. Allerdings kommt in den jüngsten Umfragen keiner über zehn Prozent der Stimmen. Alles deutet demnach auf eine Stichwahl hin.

Zu den aussichtsreichsten Kandidaten zählen der Populist Yonhy Lescano, der Wirtschaftswissenschafter Hernando de Soto, die linke Ex-Abgeordnete Verónika Mendoza, die Tochter des früheren Machthabers Alberto Fujimori, Keiko Fujimori, und der ultrakonservative Unternehmer Rafael López.

Das vergangene Jahr war von einem erbitterten Konflikt der Regierung mit dem Kongress geprägt. Zunächst drängten die Parlamentarier Präsident Martín Vizcarra aus dem Amt, dann warf dessen Nachfolger Manuel Merino nach heftigen Protesten das Handtuch. Derzeit wird das südamerikanische Land vom Übergangspräsidenten Francisco Sagasti geführt.

Peru leidet besonders stark unter der Corona-Pandemie: Es gehörte zeitweise zu den Ländern mit der höchsten Sterblichkeitsrate weltweit, zudem brach die Wirtschaft im vergangenen Jahr um 12,9 Prozent ein. Das Vertrauen der Bürger ist nachhaltig erschüttert: Gegen etwa die Hälfte der Parlamentarier wird wegen verschiedener Vergehen ermittelt, zu Beginn der Impfkampagne sollen sich außerdem rund 500 Politiker, Funktionäre und Beamte vorgedrängelt haben.

Umfragen zufolge erwarten die Wähler von dem künftigen Staatschef Antworten auf die Corona-Pandemie, die fragile Sicherheitslage und die angeschlagene Wirtschaft. Vor allem aber muss der künftige Präsident oder die künftige Präsidentin das Vertrauen in die Politik wieder herstellen: Weniger als die Hälfte der Peruaner halten die Demokratie für die beste Regierungsform. (TT, dpa)


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