„accro ache“: Innsbrucker Galerie Widauer kunstvoll zugemüllt

„accro ache“ nennt der Berliner Alexander Wolff seine Schau in der Innsbrucker Galerie Widauer. Assemblage aus Müll und Malerei.

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Die Innsbrucker Galerie Widauer, bespielt von Alexander Wolff.
© G. Kresser

Von Edith Schlocker

Innsbruck – Beim Betreten der Galerie ist man sich nicht sicher, ob sich Frau nicht vielleicht im Datum der Eröffnung der Ausstellung von Alexander Wolff geirrt hat. Schaut es auf einen ersten Blick doch so aus, als wäre diese gerade im Aufbau, liegen am galeristischen Boden doch alte Kartonagen, Styropor, Deckel von Plastikkübeln, Sperrholz- und Möbelteile herum, die nicht wirklich einladen, sie zu betreten.

Falsch gedacht: Diese wie zufällig daherkommende Assemblage sei eine ganz bewusst ausgeklügelte, begehbare „Bodenskulptur“, sagt der 45-jährige Zobernig- und Koglerschüler Alexander Wolff. Aus den aus dem Sperrmüll gefischten Versatzstücken hat der Berliner aber auch zwei Wände gebaut, die er mit ganz klassisch in Öl auf Leinwand gemalten Bildern behängt hat. Formal inspiriert von chinesischen Schriftzeichen, die jeweils als nicht ganz identische Zwillinge daherkommen. Bezugnehmend auf Martin Bubers „Ich und Du“ soll auf einem der Bilder „Du“, auf anderen „Sex“, „Gott“, „Müll“ oder „Ewig“ stehen. Stilisiert zum poetisch von Farben dominierten Spiel sich überlagernder Strukturen, die auch irgendwie kubistisch durchpulst zu sein scheinen.

Was so spielerisch daherkommt, ist allerdings aufgeladen mit viel zeit- und gesellschaftspolitischem Potenzial. Baut Wolff doch alles andere als zufällig seine skulpturalen Objekte aus Abfallprodukten unserer Gesellschaft. Schnelllebig auf Kosten des Klimas konsumierbaren Materialien, die in der Ausstellung zum Träger von Kunst und somit ephemeren Objekten werden, die von ihrem Wesen her den Anspruch von Ewigkeit für sich reklamieren.

📍 Galerie Widauer. Erlerstraße 13, Innsbruck; bis Ende Juni, Di–Do 14-18 Uhr, Fr 9–13 Uhr.

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