Sonja von der Lebenshilfe Fieberbrunn zeigt, was in ihr steckt

Lebenshilfe eröffnet Chancen für Menschen mit Behinderungen.

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Sonja Scheitnagl übernimmt am Hof von Familie Pletzenauer in Fieberbrunn immer neue Aufgaben.
© Lebenshilfe/Fuchs

Fieberbrunn – In der Lebenshilfe Fieberbrunn erledigen viele Teilnehmer/-innen kleine Aufträge für benachbarte Betriebe oder die Gemeinde. Voriges Jahr wollte sich auch Sonja Scheitnagl auf diese Art einbringen und machte begleitete Praktika in einem Malerbetrieb und einem Reformhaus. Seit 2020 arbeitet sie in einem neu eröffneten Hofladen der Familie Pletzenauer.

Jeden Montag spaziert sie eigenständig zum Hof und geht der Bäuerin zur Hand. Gemeinsam säen sie Schnittlauc­h, Kohlrabi, Tomaten und Kraut, setzen Zwiebeln und Knoblauch, düngen die Obstbäume, richten den Hühnerzaun, stellen­ Bienenstöcke oder backen Brot und Süßes.

Bäuerin Christine Pletzenauer freut sich über „die große Hilfe und die vielen kleinen Handgriffe, die Sonja immer selbstständiger erledigt“. Sonja Scheitnagl ihrerseits genießt auch den Kontakt mit Hasen, Hühnern, Wachteln, Schafen und Schweinen und ist beim gemeinsamen Mittagessen schon Teil vom Betrieb. „Wisst ihr, was ich heut’ gemacht habe?“, sagt sie zu ihren Kolleginnen in der Lebenshilfe und berichtet allen von den Eindrücken am Hof. Neuerdings hat sie auch angefangen, Tagebuch zu schreibe­n, und bemüht sich, ihre Erlebnisse mit Bildern und Symbolen denjenigen näherzubringen, die sich ohne Sprache verständigen.

„Sonja hat beharrlich gesucht, bis sie was gefunden hat“, sagt die Lebenshilfe­assistentin Christine Fuchs über die ehemals schüchterne Frau. „Seit Sonja diese neue Aufgabe hat, merkt sie, dass sie gebraucht wird und wertvoll ist.“ Heute traut sich Sonja Scheitnagl auch im Alltag mehr zu. Sie entdeckt in der Lebenshilfe neue Aufgaben, macht Vorschläge und denkt mit, wenn gemeinsam gekocht wird. Sie interessiert sich für Gartenbau, möchte mit ihren Kolleginnen und Kollegen selber etwas anbauen und „ist in jeder Hinsicht eigenständiger geworden“, beschreibt Fuchs.

„Das Beispiel in Fieberbrunn zeigt, wie gern Menschen anpacken und am Leben im Ort teilhaben“, beschreibt Geschäftsführer Geor­g Willeit den Auftrag der Lebenshilfe. „Wenn es mit Partnern wie dem Hofladen gelingt, dass Menschen ihre Fähigkeiten entdecken und entwickeln, stärkt das die Person. Es macht sie eigenständiger und auf lange Sicht unabhängiger von Unterstützung.“ (TT)


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