Verschleppte Firmenpleiten: „Stunde der Wahrheit wird kommen“

Der KSV warnt vor einer Verschleppung von Firmenpleiten durch die Politik. Die Corona-Krise ist nur für 14 Prozent der Insolvenzen verantwortlich.

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Erneut wird vor künstlicher Pleiten-Verschleppung gewarnt. (Symbolfoto)
© Erwin Wodicka

Wien – Der österreichischen Wirtschaft geht es deutlich schlechter als es die aktuellen niedrigen Insolvenzzahlen vermuten lassen. Das sei nicht zuletzt dem politischen Eingriff in das heimische Insolvenzsystem geschuldet – Verlängerung der Insolvenz­meldepflicht, Stundungen etc. –, warnt Karl-Heinz Götze, Leiter Insolvenzen beim Kreditschutzverband KSV1870. „Das auf den ersten Blick positive Ergebnis ist für die heimische Wirtschaft alles andere als erfreulich. Langfristig gesehen können dadurch weitaus gravierendere Probleme entstehen als dies zum jetzigen Zeitpunkt ohnehin schon der Fall ist“, warnt der Insolvenzexperte.

Viele marode „Zombie“-Unternehmen bleiben durch die Staatshilfen am Leben. „Irgendwann kommt die Stunde der Wahrheit, mit jedem weiteren Tag wird der Schaden größer. Es gibt immer mehr gerettete Firmen, die gesund­e Unternehmen mitreißen“, warnt Götze. Es müsse darum gehen, dass nicht noch mehr gesunde Betriebe in Turbulenzen geraten.

Außerdem würden die Mitarbeiter in den strauchelnden Betrieben an anderen Arbeitsplätzen fehlen, sagte Götze. Die Kurzarbeit könne jedenfalls kein Dauerzustand sein. Auffallend sei, dass die überwiegende Zahl der Insolvenzen nicht die von der Corona-Pandemie besonders betroffene Gastro- und Hotelbranche verzeichne – hier sei der größte Rückgang seit Jahren zu bemerken. Weiterhin hoch seien hingegen die Pleiten in der Baubranche, die eigentlich ganz gut durch die Krise gekommen sei.

Der Trend des Vorjahres setzte sich zuletzt in allen Branchen fort: Pro Woche wurden in den vergangenen sechs Monaten um rund 60 Prozent weniger Firmenpleiten als vor der Krise gezählt. Im ersten Quartal 2021 wurde der niedrigste Wert an Insolvenzen seit 1977 registriert. Die Wirtschaftskrise selbst ist seit Beginn des ersten Lockdowns für knapp 14 Prozent aller insolventen Unternehmen verantwortlich, so Götze mit Verweis auf eine Analyse der abgeschlossenen Verfahren. (TT, APA)


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