Franz Pöhacker verstorben: Tiroler Bildhauer hinterlässt großes Werk

Der Bildhauer Franz Pöhacker verstarb im Alter von 94 Jahren. Er hinterlässt ein großes Werk und unzählige Schüler.

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Fast bis zuletzt täglich in seinem Atelier anzutreffen: der Haller Bildhauer Franz Pöhacker, der am Montag im Alter von 94 Jahren gestorben ist.
© Schlocker

Von Edith Schlocker

Hall – Müde geworden durch die Last seines hohen Alters, ist Franz Pöhacker wenige Monate nach dem Tod seiner Frau dieser nachgefolgt. Hatte er doch die Lust am Zeichnen und dreidimensionalen Formulieren verloren, die ihn noch an seinem 90. Geburtstag vor vier Jahren so freudig durchpulst hat. So sehr seine vielen Freunde und Bewunderer seines grafischen und bildhauerischen Werks Franz Pöhacker auch vermissen werden, wird er gerade in diesem ein Stück weit weiterleben. In seinen monumentalen, im öffentlichen Raum präsenten Skulpturen genauso wie in unzähligen kleinen.

Denn er sei eigentlich „der Bildhauer für den kleinen Mann“, meinte er anlässlich seines 90. Geburtstags etwas kokett, habe wirkliche Monumentalität doch nichts mit Größe zu tun. Um in diesem Zusammenhang auf Alberto Giacometti und dessen winzige Skulptürchen zu verweisen, die trotz ihrer Kleinheit an Monumentalität kaum zu übertreffen seien. Weshalb auch die meisten der großen Skulpturen Franz Pöhackers für den jeweiligen Ort maßgeschneiderte Übersetzungen ganz kleiner Arbeiten ins Großformat sind.

Sein bildhauerisches Handwerk gelernt hat der gebürtige Grazer an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Fritz Wotruba. Einem charismatischen Lehrer, dessen Einfluss sich zu entziehen, sich von dessen Formalismus zu emanzipieren vielen seiner Schüler lebenslang nicht gelungen ist. Auch Franz Pöhacker nicht wirklich, baute doch auch er seine Skulpturen gern aus klaren, raffiniert ineinander verschachtelten schroffen oder phasenweise organisch sich rundenden, amorph verknäuelt in sich ruhenden Formen, die fast wie – meist weibliche – Körperlandschaften daherkommen.

Seinen Vorstellungen von der großen gültigen Form näherte sich Franz Pöhacker meist zeichnend an. Einem Tun, bei dem er sich gern von sich selbst überraschen ließ, um spontan auf das zu reagieren, was im Umweg über die zeichnende Hand fast automatisch entsteht. Sei Kunst für ihn doch der Versuch, das rational Unbegreifliche sichtbar zu machen, brachte der 90-Jährige sein Tun auf den Punkt. Gehe es ihm doch nie um das Abbilden, sondern um das Schaffen von Sinnbildern.

Zahllose Ausstellungen waren Franz Pöhacker gewidmet, zu seinem 90. Geburtstag eine schöne kleine Retrospektive in der Innsbrucker Galerie Maier. Nicht zu unterschätzen sind aber auch Franz Pöhackers Verdienste als empathischer Kunsterzieher, als der er unzählige Jugendliche mit dem Virus „Kunst“ unrettbar infiziert hat. Auch seine Söhne Magnus und Daniel. Letzterer hat 2016 seinem Vater ein berührendes filmisches Denkmal gesetzt.


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