Quälen und Vernachlässigen wehrloser Personen: 66-Jährige verurteilt

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Die Pflege von Angehörigen ist eine große Aufgabe. Mitunter führt sie zur Überlastung bei den Pflegenden (Symbolbild).
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⚖️ Über die Pflege von Angehörigen im Familienkreis wird in der Öffentlichkeit selten gesprochen. Dabei ist das Thema von größter gesellschaftlicher Relevanz, bindet Kräfte und Nerven vieler Mitbürger oft auf Jahre. Dies kann zur Überbelastung von Pflegenden führen. Wie bei einer 66-jährigen Tirolerin, die gestern am Landesgericht wegen Quälen und Vernachlässigen wehrloser Personen angeklagt war. Bis zu drei Jahre Haft drohten der heutigen Invaliditätsrentnerin dafür. Ab 2016 hatte die Dame ihren nunmehr verstorbenen Ehegatten in für sie schwer ertragbaren Situationen angeschrien und mit den Fingernägeln so gekratzt, dass blutende Wunden die Folge waren. Es sollte für alle noch schlimmer kommen. So musste die 66-Jährige ab 2019 auch noch ihre 89-jährige Mutter (mit-)pflegen. Dies erfuhr die 66-Jährige kurz vor ihrer eigenen Knie-OP. Um Hilfe hatte die Frau erst viel zu spät gebeten, ab dem Ausbruch der Pandemie fiel diese ohnehin wieder aus. Letzten November eskalierte die Situation dann mit einem Schlag ins Gesicht der Mutter und mit einem Schupfer, der mit einem Bruch geendet hatte. Die 66-Jährige bedauerte dies unter Tränen und versuchte ihre Situation darzulegen. Verteidiger Martin Corazza skizzierte eine „totale Überforderung“ und sah bei der Mandantin nur den Fehler, dass diese nicht rechtzeitig die Reißleine gezogen hätte. Statt der beantragten Diversion fällte das Gericht aber dennoch einen Schuldspruch. Zu lange war der Tatzeitraum gewesen, zu schwer die Attacke auf die eigene Mutter. Unter Berücksichtigung aller Umstände blieb es jedoch bei einer reinen Geldstrafe – unbedingte 2800 Euro plus 150 Euro Verfahrenskosten sind bereits rechtskräftig.


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