Bankenverband will Frauenanteil in Vorständen auf 20 Prozent anheben

Bankenverband will mehr Diversität in Chefetagen, der Frauenanteil in Vorständen soll bis 2030 von derzeit 10 auf 20 Prozent angehoben werden.

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Susanne Riess (Wüstenrot): „Frauen bringen andere Erfahrungen, Akzente und Fähigkeiten ein.“
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Wien, Salzburg – Der Bankenverband will den Frauenanteil in Vorständen von derzeit 10 bis zum Jahr 2030 auf zumindest 20 Prozent anheben. Denn obwohl Frauen beim Personal der österreichischen Aktienbanken etwas mehr als 50 Prozent darstellen, seien sie in Führungsfunktionen nach wie vor nicht ausreichend vertreten, sagte der Präsident des Bankenverbandes und Bank-Austria-Chef Robert Zadrazil. Die Geschäftsführung müsse sich um das Thema kümmern, wichtig sei der „Tone from the Top“.

Robert Zadrazil (Bankenverband): „Wir wollen Frauen und Männern die gleichen Chancen bieten.“
© Andreas Rottensteiner / TT

Gleiche Chancen für Frauen und Männer seien dem Bankenverband und ihm persönlich ein Anliegen, sagte Zadrazil. Gerade während der Corona-Pandemie habe man gesehen, wie ungleich die Chancen der Geschlechter in vielen Bereichen des Lebens (etwa bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie) noch immer verteilt seien. Die Banken wollten in ihrem Bereich ansetzen und Frauen und Männern gleiche Chancen bei der Berufsgestaltung geben. Daher wurde die „Gender Diversity“-Initiative des Bankenverbands am Mittwoch vorgestellt. „Unser Ziel sind gemischte Führungsteams“, sagte die Koordinatorin der Initiative, Doris Zingl, die den Rechtsbereich im Verband leitet. Laut einer Umfrage unter den Mitgliedern waren im Jahr 2010 erst sechs Prozent der Bankvorstände weiblich, 2020 waren es 10 Prozent. In den Aufsichtsräten hingegen gab es in einer Dekade eine Verdreifachung von 10 auf 30 Prozent Frauenanteil. Bei den Führungskräften unterhalb des Vorstands liegt der Frauenanteil nach 22 Prozent im Jahr 2010 nun bei 27 Prozent und sei noch „ausbaufähig“, so Zingl. Gemischte Führungsteams seien erfolgreicher, „weil Frauen andere Erfahrungen, Akzente und Fähigkeiten einbringen“, bestätigte auch Susanne Riess, Vizepräsidentin des Bankenverbands und Generaldirektorin von Wüstenrot. Ein höherer Frauenanteil in Führungspositionen verbessere die Performance von Unternehmen deutlich, das hätten Studien gezeigt. Unter anderem gebe es dadurch einen geringeren Aufwand für Rechtsstreitigkeiten. „Es ist eine Frage der Unternehmenskultur“, meinte Riess. Sie selbst sei zwar „keine Freundin von Quoten, aber ich habe gesehen, dass Quoten als Einstieg für eine bessere Entwicklung in dem Bereich durchaus wichtig sind“. Unternehmen, die die Frauenquoten im Aufsichtsrat erfüllen, hätten nämlich auch doppelt so viele Frauen in Managementpositionen.

Es gebe aber immer noch kleinere Institute mit zu 100 Prozent männlichen Vorständen, wurde auf Nachfrage eingeräumt. (ver)


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