Burgenland beendet Corona-Lockdown am Montag

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Das Burgenland beendet den Corona-Lockdown nach dem 18. April. Am Montag öffnen die Schulen und der Handel wieder, gab Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) bei einer Pressekonferenz am Mittwoch bekannt. „Die Zahlen gehen massiv zurück“, dies sollte sich auch bald auf die derzeit noch hohe Auslastung der Intensivstationen auswirken, so Doskozil. Wobei mit 27 belegten Intensivbetten am Mittwoch ein neuer Höchststand erreicht wurde.

Konkret sollen etwa die Schüler drei Mal und die Lehrer zwei Mal pro Woche getestet werden. Für die Schulen gelten die Regeln wie vor dem Lockdown, erklärte Bildungsdirektor Heinz Josef Zitz auf APA-Anfrage. Dies bedeute Präsenzunterricht für Volksschüler und Schichtbetrieb für Mittelschüler und Oberstufen. Laut Angaben des LH-Büros kommen auch die Kindergärten und -krippen wieder aus dem Lockdown-Betrieb zurück.

Die Bundesregierung unterstützt das Ende des Lockdowns im Burgenland. Der amtierende Gesundheitsminister Werner Kogler kündigte aber an, sich die Entwicklung genau anzuschauen. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) betonte: „Wir haben mit dem Landeshauptmann gesprochen: wenn es notwendig ist, muss die Notbremse gezogen werden.“ Mit dem künftigen Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) habe es am Dienstag bereits erste Gespräche gegeben, sagte Doskozil.

Man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, betonte der Landeshauptmann. Das Burgenland habe bei der Sieben-Tages-Inzidenz und den Fallzahlen eine nahezu „perfekte Entwicklung“ zu verzeichnen. Zudem habe sich die Lage in den anderen Bundesländern nicht so entwickelt, wie prognostiziert. Immerhin seien diese der Ostregion nicht in den Lockdown gefolgt.

Die burgenländischen Spitäler befinden sich derzeit noch im Notbetrieb, so KRAGES-Geschäftsführer Hubert Eisl. Er geht aber davon aus, dass diese Woche der Höchststand erreicht werde oder bereits erreicht sei und die Zahlen in weiterer Folge sinken – dies habe die Erfahrung im Herbst auch gezeigt.

Doskozil betonte, dass er auf eine Strategie setzen wolle, mit der Bevölkerung mit der Pandemie leben zu lernen. „Ich komme für mich persönlich zu dem Ergebnis, dass es höchstwahrscheinlich ein Fehler ist, dass wir die Pandemie so nach dem Motto entweder öffnen oder schließen, entweder schwarz oder weiß beurteilen. Das wird nicht die Lösung sein“, so der Landeshauptmann.

Doskozil will insbesondere aufs Testen setzen. Die Städte Neusiedl am See und Parndorf sollen zu einer Testregion zusammengefasst und durchgetestet werden. „Wir wollen 60 bis 80 Prozent der Bevölkerung regelmäßig testen“, sagte Doskozil. In dieser Region könne man dann beobachten, was Öffnungsschritte bewirken. Umweltmediziner Hans-Peter Hutter wird das Vorhaben wissenschaftlich begleiten.

Negative Tests braucht es ab Montag für körpernahe Dienstleistungen, im Handel müsse man die Zutrittstests im Bund abwarten. Auch in den burgenländischen Impf- und Testzentren (BITZ) sollen die Kapazitäten weiter aufgestockt werden, sodass künftig bis zu 300.000 Tests pro Woche durchgeführt werden können.

Dass Niederösterreicher und Wiener ab Montag ins Burgenland fahren könnten, um etwa im Designer Outlet in Parndorf einkaufen zu gehen, glaubt Doskozil nicht. „Das ist kein Grund, die Ausgangssperre zu umgehen“, betonte er. Er sei zwar bis heute kein Fan der Regionalisierung, jetzt habe man sie aber und setze entsprechende Maßnahmen.

Die Wirtschaftskammer und der Handelsverband begrüßen die Öffnungsschritte. ÖVP-Landesparteiobmann Christian Sagartz erklärte in einem Statement, die ÖVP habe Verständnis dafür, dass es für die Wirtschaft Planungssicherheit brauche. Es brauche aber auch die Sicherheit, dass das Gesundheitssystem der Krise standhält. Grünen-Klubchefin Regina Petrik bezeichnete Doskozils Entscheidung als „völlig unverständlich und unverantwortlich“.

FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer begrüßte das Ende des Lockdowns. Es sei wichtig, schrittweise zur Normalität zurückzukehren. Der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP) hält den Schritt des Nachbarbundeslands angesichts der sinkenden Zahlen im Intensivbettenbereich sowie bei den Infektionen für „angebracht und verständlich“.

Michael Lang, Präsident der Ärztekammer Burgenland, steht der Entscheidung ambivalent gegenüber. „Ich halte den Schritt nicht für grundlegend falsch, sondern für kühn“, sagte er im Gespräch mit der APA. Man müsse die Situation in den Spitälern im Auge behalten und bereit sein, „schlagartig die Reißleine zu ziehen“, sollten die Zahlen dort steigen, so Lang. Andererseits könne er das Argument nachvollziehen, dass die Inzidenzen und Fallzahlen nicht schlecht seien und man deshalb einen Schritt zurück zur Normalität anstrebe.

Für Diskussionen sorgte am Mittwoch auch, dass das Krankenhaus Oberwart eine Kühlzelle angemietet hat, um zusätzlichen Platz für Verstorbene zu schaffen, wie der „Kurier“ berichtet hatte. Das sei eine „reine Vorsichtsmaßnahme“, hieß es seitens der KRAGES. Man wolle nicht verantworten, dass man in der Pathologie nicht genug Platz habe, was bisher aber auch noch nicht der Fall gewesen sei.


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