Bergwacht: „Wir sind nicht die Müllabfuhr der Nation“

Corona-bedingt werden heuer viele Müllsammelaktionen in der Natur ausgesetzt. Der Appell der Bergwacht: Eigenverantwortung.

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Die Kufsteiner Bergwacht hat bereits gesammelt.
© Bergwacht

Von Sabine Strobl

Innsbruck –Der späte Schneefall hat das Müllproblem in den höheren Lagen noch einmal zugedeckt. Im Tal war aber dieser Tage die Bergwacht Kufstein schon im Einsatz. „Acht bis neun Personen tragen bei einer Runde schon 1000 Kilo Müll zusammen“, sagt Bezirksstellenleiter Zvonko Karadakic.

Ausflügler dokumentieren derzeit liegengelassenen Müll auf Skiabfahrten.

Bei den Frühjahrsgroßaktionen, wie sie heuer Corona-bedingt nicht durchführbar sind, werden dagegen bei einem Einsatz rasch 2000 Kilo Abfall auf Pritschenwagen geladen. Auch heuer wurden bei Nacht-und-Nebelaktionen Sofas und Kasteln in der Natur abgeladen. Ob der kalten Temperaturen waren Radfahrer noch nicht unterwegs, die Plastikverpackungen von Power­säften und Riegeln häufig wegwerfen. „Wir sind nicht die Müllabfuhr der Nation“, stellt Karadakic klar. Die Freiwilligenarbeit der Bergwacht benötige es auch für andere Aufgaben im Naturschutz. Trotzdem: „Viele Helfer, Vereine und vor allem Kinder müssen auch einmal für ihr Umweltbewusstsein gelobt werden.“

Die gewohnten Aktionen der Bergwacht mit Schulen und Gemeinden wird es heuer also nicht geben. „Es ist derzeit schwierig, Aktionen Corona-konform durchzuführen“, informiert Landesleiterin Gabriele Pfurtscheller, die heuer „Schlimmes“ erwartet. „Das Müllproblem in Natur und Bergen ist nach wie vor massiv.“ Sie appelliert an die Eigenverantwortung: „Es steht jedem frei, selbst Müll aufzuheben. Das muss nicht immer organisiert sein.“ Ein Sackerl und Handschuhe können in den Rucksack verstaut werden.

Freiwillige dokumentieren ihre Müllbeute.

Der Müllabtransport aus der Natur wird allerorts geplant, ergibt ein TT-Rundruf. Am Patscherkofel rechnet man mit mehr liegengelassenem Müll. Je nach Corona-Situation werde ein Reinigungstrupp aufgestellt. Es werde aber keine größeren Aktionen geben, erklärt Adrian Egger, Geschäftsführer der Patscherkofelbahn. Wie aus der Gemeinde von St. Sigmund im Sellrain zu hören ist, bekommen die Skitourengeher ein gutes Zeugnis, die Hundeausführer aber weniger. Die jährliche Aktion „Sauberes St. Sigmund“, bei der Gemeindebürger zum Müllsammeln ausschwärmen, werde heuer eher nicht stattfinden. Auch Michael Kneisl von der Gemeinde Sölden ist bereits aktiv. Im September sollen mit dem Almschutzverein wieder einige Gebiete abgeklappert werden. „Für die Müllhalden in der Vergangenheit kann man keine Schuldigen mehr suchen. Bei neuem Müll werde ich aber giftig“, sagt Kneisl.

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Im kleinen Rahmen ist in Innsbruck wieder Greenpeace Tirol unterwegs. Diesen Sonntag ab elf Uhr, vom Mitterweg Richtung Uni. Vier bis sechs Leute heben mit Maske und Abstand Weggeworfenes auf. Eine Person füllt bei einem Einsatz 1 bis 2 große Müllsäcke, meist mit Bier­deckeln und Getränkedosen. „Neuerdings sind aber viele Masken und Essensverpackungen dabei“, bedauert Organisatorin Imke Berg, die man u. a. über Facebook von Greenpeace Tirol erreicht. Die Müllsammelnden selbst verzichten Corona-bedingt derzeit auf ihr Picknick.

Tonnen von Müll in der Natur gesammelt

Plastik und Bananen. Die Alpenverein-Initiative „Saubere Berge“ rät dazu, eine Brotdose und eine eigene Flasche zu verwenden. Ein Appell: Müll immer heruntertragen. Eine Bananenschale verrottet in ein bis drei Jahren, eine Plastikflasche in 100–5000 Jahren.

Sammelaktionen. Laut Bundesumweltamt wurden 2018 in Österreich bei 2774 Sammel­aktionen rund 1000 Tonnen Abfälle in der Natur eingesammelt. Die Aktionen werden von Abfallwirtschaftsverbänden, Landesregierungen, Gemeinden, Umweltorganisationen und Vereinen organisiert. Österreichweit nahmen 2018 163.000 Freiwillige daran teil. Ihre Zahl ist in den vergangenen Jahren stark angestiegen, während die gesammelte Müllmenge leicht zurückgegangen ist.

App. Mit der Dreckspotz-App lädt Global 2000 ein, Daten über Müll in der Natur zu sammeln.


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