Covid-Blase: Tausende Betriebe wackeln in der Pandemie

Insolvenzsperre und Staatshilfen hielten im Vorjahr rund 5000 an sich pleitebedrohte Firmen am Leben.

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Staatshilfen haben auch viele Pleitebetriebe ein Jahr lang über die Runden gebracht.
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Wien – Durch die staatlichen Corona-Hilfen und die Insolvenzsperre ist in Österreich eine „Corona-Blase“ an Firmen entstanden, die in einem „normalen“ Jahr in die Pleite gerutscht wären oder denen zumindest eine Insolvenz gedroht hätte. Walter Schweiger, Professor an der Technischen Universität (TU) Wien, hat nun berechnet, wie groß diese Corona-Blase ist – und damit die drohende Pleitewelle, sobald keine staatlichen Corona-Hilfen mehr fließen. Fazit: 2020 wurden ungefähr so viel­e Unternehmen vor der Pleit­e geschützt wie im Jahr 2019 pleitegingen – somit wackeln rund 5000 Unternehmen.

„Aufgeschoben ist nicht aufgehoben“, betont Schweiger. Wie schnell und in welchem Umfang sich dieses Pleiten-Potenzial entlädt, sei noch unklar und hänge von der Konjunkturentwicklung sowie vom Zeitpunkt der Beendigung der staatlichen Hilfsmaßnahmen ab, meint Schwaiger.

Basis der Studie ist ein Modell, das Banken schon lange einsetzen, um Kreditrisiken abzuschätzen. Hintergrund ist der grobe Zusammenhang zwischen Wirtschaftswachstum und Firmenpleiten. In der Regel gilt: Je höher das Wirtschaftswachstum in einem Jahr, desto weniger Firmen gehen pleite. Umgekehrt gilt: Sinkt im Folgejahr das Wirtschaftswachstum, gehen auch mehr Firmen pleite.

Die massiven Staatshilfen und die Insolvenzsperre hebelten diesen Zusammenhang im Corona-Jahr aus, denn obwohl die Wirtschaft 2020 massiv einbrach, gingen auch die Firmenpleiten zurück. Gläubigerschützer warnen immer wieder vor „Zombie-Firmen“, die vom Staat künstlich am Leben gehalten werden und gesunde Firmen mitreißen.

Laut Schweiger gingen im Vor-Corona-Jahr 2019 rund 1,15 % der Firmen in Österreich pleite. Angesichts der Pandemie wäre 2020 aber ein Anstieg auf eine Ausfallrate von 1,87 % der Unternehmen zu erwarten gewesen. Tatsächlich wurden aber im Vorjahr aufgrund der staatlichen Eingriffe nur 0,76 % der Unternehmen zahlungsunfähig – konkret 3155 Firmen. Das sind um 1,11 Prozentpunkte weniger, als ohne staatliche Eingriff­e zu erwarten gewesen wäre.

Diese 1,11 Prozentpunkte kennzeichnen die „Corona-Blase“ – also das Potenzial an drohenden Firmenpleiten. Das entspricht etwa 5000 Unternehmen. Sollte die Corona-Blase durch eine rasche Wirtschaftserholung nicht oder nicht gänzlich platzen, „dann hätten die Stützungsmaßnahmen auch eine nachhaltige Wirkung“, so der Uni-Professor. (mas)


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