Vom Oppositionellen zum Vizekanzler: Die Wandlung des Werner Kogler

Der frühere scharfzüngige Oppositionelle ist nun Regierungsrechtfertiger. Zum Ärger von den Grünen.

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Als Vizekanzler befindet sich der Grüne Werner Kogler in einer schwierigen Lage.
© ROLAND SCHLAGER

Von Karin Leitner

Wien – Ein Scharfzüngiger war Werner Kogler. Als Mandatar der oppositionellen Grünen, hernach als deren Chef abseits des Parlaments. Die Regierenden kritisierte er harsch. Als „türkise Schnöseltruppe“ qualifizierte er Sebastian Kurz und die Seinen vor der Nationalratswahl, als eine Partei, „mit der es gar nicht geht“. Er strebe keinen Bund mit der Kurz-ÖVP an, ließ Kogler wissen; diese sollte sich „der christlichen Grundsätze besinnen – sonst brauchen wir nicht weiterreden“. Nachsatz: „Vielleicht wird ja etwas Ehrenwertes aus dem ganzen Ensemble.“

Nach der Wahl tat sich Kogler mit den Türkisen zusammen. Es war der erste Bund von ÖVP und Grünen im Bund. Gut bekommen ist er der Öko-Partei bisher nicht. In allen Umfragen hat sie an Zuspruch verloren. Der Vorhalt von Anhängern: Die Grünen würden ihre Werte ob des Koalitionsfriedens aufgeben. Sie würden Dinge mittragen und schönreden, die sie als Oppositionsvertreter beklagten. Das erste dahingehende Thema waren die Flüchtlingskinder auf griechischen Inseln. Die ÖVP verwahrte sich dagegen, solche in Österreich zu beherbergen. Erst auf Druck von NGOs monierten Grüne den Kurs der ÖVP. Auch das Polit-Geturtle von Grünen-Klubchefin Sigrid Maurer mit dem konservativen Gegenüber August Wöginger missfiel.

Schwierig war die Situation für die Grünen auch wegen des U-Ausschusses zu potenzieller Korruption in der türkis-blauen Koalition. Da lassen die Grünen, angeführt von der Abgeordneten Nina Tomaselli, von Vor- und Rücksichten. Sie hinterfragen und prüfen auch das Tun der ÖVP. Erschwert wird das koalitionäre Verhältnis wegen der publik gewordenen ÖVP-internen Chats zur Bestellung des Kanzler-Vertrauten Thomas Schmid zum Alleinvorstand der staatlichen Holding ÖBAG. „Saubere Politik“ und „saubere Umwelt“ haben die Grünen propagiert. Nun geht es um unsaubere Machenschaften des Regierungsgegenübers. Dazu kommt die Klage des abgetretenen Grünen-Gesundheitsministers Rudolf Anschober; „Parteitaktik und Populismus“ moniert er, alleingelassen sei er in Sachen Pandemie geworden – gemünzt auf die ÖVP.

Kogler, in Interviews hernach dazu befragt, vermied auch nur eine Nuance von Tadel für die ÖVP. „Wir arbeiten in der Bundesregierung gut zusammen“, sagte er.

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In Grün-Kreisen kommt Koglers Gehabe schlecht an. Einer befindet via TT: „Dass es in sozialen Netzwerken kein Lob für seinen Auftritt in der ZiB2 gegeben hat, sagt alles.“ Koglers „Unterwürfigkeit“ zum Koalitionsgegenüber sei „peinlich“. Wobei sich vorerst auch kein Kritiker öffentlich deklariert. Intern wird umso mehr geschimpft: Koglers devotes Tun sei unverständlich. Auf „Dank und Entgegenkommen“ der ÖVP zu hoffen, sei „naiv“. Er vergrätze zusehends Grün-Wähler. Einer konstatiert: „Wir sind in guter Position. Kurz kann sich nicht leisten, schon wieder eine Koalition zu sprengen.“ Warum dann die Zurückhaltung? „Machtpositionen gefallen. Auf denen will man bleiben.“


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