„The Fainschmitz rises“: Melancholie übers Megaphon

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Fainschmitz gibt es seit 2015. Nach intensiven Live-Touren erschien 2018 ihr Debüt.
© Dejaco

Innsbruck – Schon ihr Debüt hatte das Zeug zur österreichischen Sommer-Jazz-CD des Jahres, sagte der ORF 2018. Und „Fainschmitz begins“ war – verrät der Titel ja bereits – erst der Anfang. Seinem Vorgänger nacheifern will „The Fainschmitz raises“, das zweite Album der Wiener Combo Fainschmitz, das Anfang April veröffentlicht wurde. Dass sie damit schon einmal verfrüht den Sommer einläuten, wird schon am Cover klar, auf dem Sänger Matthias Vieider zum Sprung in den Pool ansetzt. Stilecht mit aufblasbarem Schwimmdelfin. Auch wenn es bei Fainschmitz um die wichtigen Themen und großen Fragen geht, kommen die nie roh und ohne eine Prise Ironie auf den Tisch.

Im programmatischen „Delfine zählen“ (vom Debüt 2018) etwa stimmen sie mit Klimaleugnern „Bald werden hier Palmen stehen, das ist doch schön /Holland ist zum Glück entbehrlich /Wir werden am Wasser stehen /Delfine zählen, die Hunde des Meeres“ an. Im aktuellen Album gerät die Begegnung mit „Fishes“ zur sanft schaukelnden Traumreise.

Video | Fainschmitz – „Leinen“

So gemütlich geht es bei Fainschmitz, der neben dem Südtiroler Vieider auch Alexander Kranabetter (Gitarre), Jannis Klenke (Bass) und Martin Burk (Trompete) angehören, übrigens eher selten zu. „Jungle Swing“ bedeutet in diesem Quartett, dass die Rhythmusgitarre antreibt, der Bass nachpoltert und sich gern auch mal schrille Bläser dazugesellen. Gypsy, Swing, Chanson, Jazz verschmelzen zum wilden Mixtum compositum; 5/8erl in Ehr’n meets Gesangskapelle Hermann.

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Erzählt wird rein instrumental (auf der neuen Platte mit „Vielleicht“ oder „Nani?!“) oder direkt ins Megaphon in Deutsch, Englisch oder Italienisch. Auf „The Fainschmitz rises“ zeigt Fainschmitz einmal mehr, sie können alles sein, „Frann“ (weder „nur“ Frau noch „nur“ Mann), das nicht nur nonchalant, sondern auch unheimlich berührend ist. Einen doppelten Boden haben auch die gefühligeren Tracks, etwa „Laura“, welchem die Liebesbekundungen ausgehen, oder „No“, das sich mit konsequenter Ablehnung vehement gegen jede Nähe wehrt. So ganz unbeschwert gelingt auch das schnelle „Flusen“ nicht, einen Staubsauger als erstes Haustier wünscht man keinem Kind. Kann Melancholie lustig sein? Bei Fainschmitz gelingt’s irgendwie. (bunt)

Jungle Swing

Fainschmitz: The Fainschmitz rises. Flusen Records.


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