Bund und Länder beraten: Öffnungsschritte als Gratwanderung

Der Höhepunkt der dritten Corona-Welle dürfte erreicht sein, der Bund berät nun mit Ländern über Öffnungsschritte.

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„In Tirol ist die Belegung der Intensivstationen stabil, es spricht nichts gegen kontrollierte Öffnungen.“ – Günther Platter, VP
 (Landeshauptmann)
© Thomas Boehm / TT

Innsbruck – Das Covid-Prognose-Konsortium der Bundesregierung unterstützt in seiner Analyse vom Donnerstag den aktuellen Trend: Das Infektionsgeschehen in Österreich ist rückläufig, die dritte Corona-Welle hat ihren Höhepunkt erreicht. Bis 28. April rechnen die Experten auch mit einer Entspannung auf den Intensivstationen und mit einem Rückgang der Intensivpatienten auf 521.

In Tirol befindet man sich ebenfalls in einer Stabilisierungsphase, was die Infektionszahlen angeht. Aber noch auf hohem Niveau. Zuletzt wurden täglich rund 240 Ansteckungen gemeldet. Der Leiter des Kriseneinsatzstabs im Land, Elmar Rizzoli, führt das auch auf die Nachwirkungen der Osterfeiertage zurück. Zugleich erwartet er, dass sich das Infektionsgeschehen in einigen Tagen wieder verringert. „In Osttirol ist die Lage hingegen nach wie vor ernst, dort hoffen wir mit der Ausreisetestpflicht und der Testoffensive die Infektionsketten zu durchbrechen“, sagt Rizzoli. Für 58 Prozent der positiven Corona-Fälle ist die britische Virus-Mutante verantwortlich, für 18 Prozent das mutierte Briten-Virus.

Für die Ampel-Kommission bleiben alle Bundesländer weiterhin rot. Die Empfehlungen der Kommission sind seit Wochen die gleichen. Vorarlberg wird angeraten, die Öffnungsschritte laufend zu evaluieren. Grundsätzlich wird empfohlen, regionale Maßnahmen zu setzen. Vor diesem Hintergrund beraten Bund und Länder heute über weitere Öffnungen im Mai. Die eigens eingesetzte Öffnungskommission hat Leitlinien dafür ausgearbeitet.

Für Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) würden sich die Menschen nach 14 Monaten Pandemie nach einer Perspektive sehnen und diese bestehe nun einmal in Öffnungen. „Beim Bund-Länder-Gipfel braucht es daher einen Öffnungsfahrplan, der die Bereiche Sport, Kultur, Gastronomie und Hotellerie umfasst.“ Die betroffenen Branchen – insbesondere der Tourismus – könnten nicht von heute auf morgen aufsperren, sie benötigten eine gewisse Vorlaufzeit und vor allem Planungssicherheit. „Fest steht, dass sich alle gut vorbereitet haben, entsprechende Sicherheitskonzepte vorliegen und auch ausreichend Testkapazitäten vorhanden sind. Sport, Kultur, Gastronomie und Hotellerie sind startklar.“

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Platter drängt deshalb auf ein konkretes Datum, wann es losgehen könne. Für Öffnungsschritte sei nicht allein das Infektionsgeschehen ausschlaggebend. „Gemeinsam mit dem Bund haben sich die Länder darauf verständigt, dass auch die Auslastung der Spitalsbetten – besonders jene in den Intensivstationen – sowie der Impffortschritt maßgeblich in die Beurteilung miteinfließen.“

SPÖ-Parteivorsitzender Georg Dornauer schlägt in dieselbe Kerbe. „Regionale Öffnungen und Lockerungen sind dabei insbesondere im Bereich der Gastronomie, der sportlichen Aktivitäten im Freien und der Kultur anzustreben.“ Von einem österreichweiten Lockdown, wie ihn seine Bundesparteivorsitzende Pamela Rendi-Wagner vorschlägt, hält Dornauer nichts. (pn)


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