Akuter Personalmangel bei medizinisch-technischen Diensten

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Ein akuter Personalmangel besteht nicht nur in den Pflegeberufen, sondern auch bei den sieben Berufen des gehobenen medizinisch-technischen Dienstes (MTD). Laut einer Studie der Gesundheit Österreich (GÖG) im Auftrag der Arbeiterkammer sind bis 2030 zumindest 10.000 neu ausgebildete Personen in den sieben MTD-Sparten nötig. AK-Präsidentin Renate Anderl forderte deshalb am Freitag bei der Präsentation der Studie eine rasche Investition in Ausbildungsplätze.

Wie Studienautorin Elisabeth Rappold von der GÖG erläuterte, wurden für die Studie Zahlen aus dem Gesundheitsberuferegister als Basis herangezogen. Demnach müssen insgesamt 4.800 in Pension gehende Angehörige der MTD-Berufe bis 2030 neu besetzt werden. Alleine durch die demografische Entwicklung ist mit einem weiteren zusätzlichen Bedarf von 5.300 Personen zu rechnen. Deshalb werden bis 2030 mindestens 10.100 zusätzliche Personen gebraucht - und das nur, wenn man die derzeitige Qualität beibehalten will (Basisfallszenario). Soll die Versorgungsqualität für die Patienten und die Arbeitsqualität für die Berufsangehörigen verbessert werden, steigen auch die Bedarfszahlen - auf bis zu 17.880 zusätzliche Personen, je nach Szenario.

Spitzenreiter ist dabei die Physiotherapie mit einem Mehrbedarf von fast 4.000 Menschen (Basisfallszenario), gefolgt von den Biomedizinischen AnalytikerInnen mit knapp 1.800 und 1.730 Personen in der Radiologietechnologie. Danach folgt schon die Ergotherapie, in der rund 1.300 zusätzliche Leute gebraucht werden. Etwas geringer fällt der Bedarf in der Logopädie mit rund 700 Personen, fast 500 Personen in der Diätologie und 122 Berufsangehörigen der Orthoptik aus.

Die Bedarfsprognose zeigt, dass es vor allem im Bereich der Biomedizinischen Analytik und der Radiologietechnologie einen hohen Bedarf gibt, der mit den verfügbaren Ausbildungskapazitäten schon aktuell nicht mehr gedeckt werden kann. Es entstehe eine Personallücke in den Laboren und radiologischen Abteilungen, die den Betrieb in den Krankenanstalten massiv gefährdet, da es zunehmend schwierig werde, offene Stellen zu besetzen, AbsolventIinnen für den Krankenhausbetrieb zu gewinnen und eine Abwanderung aus dem Beruf zu verhindern.

Die DiätologInnen sind laut der Studie die einzige Berufsgruppe, bei der die Ausbildungen den Bedarf scheinbar in allen Szenarien gut abdecken können. Das liegt daran, dass in der Praxis die Expertise der Diätologie unsystematisch und vielfach nur anlassbezogen genutzt wird. Würden DiätologInnen beispielsweise fix in der Begleitung von Menschen mit Diabetes oder anderen Stoffwechselerkrankungen eingesetzt werden, sähe die Situation auch hier anders aus. Andrea Wadsack, Vorsitzende des Fachausschusses für Gesundheitsberufe und selbst ausgebildete Diätologin, bekräftigte daher die Forderung nach Kassenverträgen für ihre Berufssparte.

Um die Unterversorgung in der Prävention und der Langzeitpflege zu verbessern, wird ein Ausbau der Ausbildungskapazitäten gefordert. Je nach Szenario sind dafür rund 2.000 bis zu 6.600 zusätzliche Ausbildungen bis 2030 erforderlich. Die geschätzten Kosten dafür bewegen sich zwischen 83 Millionen bis zu 267 Millionen Euro bis 2030. Gefordert wird auch eine Verbesserung der Planung der Ausbildungen. Neben mehr Planstellen und besseren Arbeitsbedingungen für die MTD-Berufe werden auch mehr Krankenkassenverträge mit einheitlichen Leistungs- und Honorierungsvereinbarungen in allen therapeutischen Sparten verlangt.


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