Versicherungen melden mehr Rad- und weniger Auto-Unfälle

Die Ergo Versicherung registriert in der Pandemie eine Veränderung bei den Schadensfällen. Krise führt zu einem Digitalisierungssschub in der Branche.

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Die Zahl der Fahrradunfälle ist in der Pandemie angestiegen.
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Wien – Die Corona-Krise hat auch die Versicherungsbranche verändert. So sind Versicherungsvermittler, die beim Verkauf vor allem auf persönliche Kontakte im Freundeskreis, Vereine oder die Dorfgemeinschaft setzen, deutlich ins Hintertreffen geraten. „Maklerbüros, die in diesem Bereich stark waren, haben Geschäftseinbrüche erlitten“, sagt Philipp Wassenberg, Vorstandsvorsitzender der Ergo Versicherung AG in Österreich im Gespräch mit der TT. Zugleich hätten sich Digitalisierungsprozesse stark beschleunigt. „Vermittler, die stark auf Videoberatung umgestellt haben, waren viel erfolgreicher als bisher“, sagt Wassenberg.

„Es wird mehr mit dem Fahrrad gefahren. Hier ist die Unfallhäufigkeit stark gestiegen.“ – Ergo-Chef Philipp Wassenberg
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Die Versicherung kann das auch mit Zahlen belegen. Die Nummer 4 am österreichischen Lebensversicherungsmarkt hat bereits vor der Pandemie ihre digitalen Strukturen ausgebaut. So habe man in der Krise entgegen dem Markt Zuwächse in der Lebensversicherungssparte verzeichnen können. „Wir konnten bei einem Markteinbruch von 9 Prozent um 5 Prozent wachsen“, sagt Ergo-Vorstand Ronald Kraule, der an die Politik appelliert, die Rahmenbedingungen für digitale Versicherungsabschlüsse zu verbessern, um kontaktlose Abschlüsse zu vereinfachen.

Bereits vor der Pandemie sei die Nachfrage nach Lebensversicherungen gestiegen. Während der Pandemie habe sich die Nachfrage nach Krankenversicherungen erhöht. „Mehr Menschen sehen eine Notwendigkeit für eine Krankenversicherung“, sagt Wassenberg. Auch eine neue Zahnersatzversicherung von Ergo werde sehr stark nachgefragt. Zugleich wirke sich das geänderte Mobilitätsverhalten auf die Anzahl und Art der Schadensfälle aus. „Im Schnitt wird um 15 Prozent weniger mit dem Auto gefahren. In dem Maße sind auch die Unfallzahlen nach unten gegangen“, erklärt der Ergo-Chef. Sturmschäden im 3. Quartal 2020 hätten jedoch im Bereich der Sachversicherungen den positiven Effekt bei Kfz wieder aufgefangen.

Stärker ins Gewicht würde das veränderte Freizeitverhalten bei Unfallversicherungen fallen. Wegen der Vermeidung von öffentlichen Verkehrsmitteln werde „mehr mit dem Fahrrad gefahren. Hier ist die Unfallhäufigkeit stark gestiegen“, sagt Wassenberg. Vor allem E-Bike-Unfälle kämen häufiger vor. „Wegen der höheren Geschwindigkeit und weil häufiger ältere Menschen mit dem E-Bike unterwegs sind, gibt es dabei öfter schwerere Verletzungen.“ Ein Rückgang sei hingegen wegen des heuer nur eingeschränkten Skibetriebs bei Skiunfällen verzeichnet worden. Auch Einbruchsdelikte seien stark zurückgegangen. (ecke)

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