Doku „Schwarze Adler“: Die grässliche Fratze des Rassismus

In der Doku „Schwarze Adler“ berichten deutsche Fußballprofis dunkler Hautfarbe von den Anfeindungen und Verhöhnungen, denen sie ausgesetzt sind.

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1975. Erwin Kostedde (mit Paul Breitner und Manfred Kaltz, v. l.) ist der erste Spieler dunkler Hautfarbe in der deutschen Nationalmannschaft.
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Von Markus Schramek

Innsbruck –Die Doku beginnt nicht ohne Grund mit der Warnung vor „womöglich traumatisierenden Inhalten“. Am Ende von „Schwarze Adler“, Torsten Körners aufrüttelnder Bestandsaufnahme über Rassismus im deutschen Profifußball, ist man erschöpft und fassungslos.

Die Beschimpfung, Herabwürdigung und Beleidigung von Spielern dunkler Hautfarbe hat sich wie ein bösartiges Geschwür in den Arenen festgesetzt. Auf so mancher Tribüne nimmt „der größte Idiotenchor der Welt“ Aufstellung, wie es Ex-Profi Jimmy Hartwig treffend formuliert. Hunderte, ja Tausende so genannte Fans ahmen Affenlaute nach, sobald ein dunkelhäutiger Akteur am Ball ist. Bananen landen auf dem Rasen. „Husch husch husch, Neger in den Busch“, tönt es gemein von den Rängen.

Fußball ist ein Spiegel der Gesellschaft. Rassistische Vorfälle lassen sich nicht als hässliche Randerscheinung eines Sports abtun, in dem die Millionen nur so rollen. Rassismus vergiftet den Alltag, im Stadion und außerhalb. Das erleben jene (Ex-)Stars, die Torsten Körner vor die Kamera holt, am eigenen Leib, Männer und Frauen.

2020. Jordan Torunarigha von Hertha BSC (mit Trainer Jürgen Klinsmann) wird von Anhängern von Schalke 04 rassistisch beschimpft.
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Die ersten Fußballer dunkler Hautfarbe nach dem Krieg stammten aus Beziehungen von deutschen Frauen und Besatzungssoldaten. Mütter und Kinder hatten gesellschaftlich einen schweren Stand. Erstere hatten sich mit dem Kriegsfeind eingelassen, die Kinder wuchsen meist ohne Väter auf und wurden ob ihres „anderen“ Aussehens verhöhnt. Fußball erschien da wie ein Hort der Zuflucht: „Elf Freunde müsst ihr sein“, lautet doch das Motto im Teamsport der Massen.

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Erwin Kostedde, Sohn eines US-Soldaten, war der erste dunkelhäutige Spieler, der es, in den 70er-Jahren, an der Seite von Stars wie Beckenbauer und Vogts in die deutsche Nationalmannschaft schaffte. Kostedde war Anfeindungen ausgesetzt, die dazu führten, dass er sich, obwohl hochbegabt, in der deutschen Auswahl nicht durchsetzen konnte. Jimmy Hartwig, auch er Nachkomme eines US-GIs, erging es ähnlich: Beim Hamburger SV in den 80er-Jahren ein absoluter Leistungsträger, blieb ihm das DFB-Team bis auf zwei Auftritte verwehrt.

Im modernen Fußball hat sich vieles verändert – auf den ersten Blick. Nationalteams wie jene von Deutschland oder Österreich sind längst multi-kulti, ein Kollektiv von Spielern aus vieler Herren Länder. Trotzdem zeigt der Rassismus immer wieder seine teuflische Fratze.

Trailer | „Schwarze Adler“

Gerald Asamoah, deutscher Auswahlspieler mit Wurzeln in Ghana, wurde zu Beginn des Jahrtausends für seine Spiele in der Nationalmannschaft gefeiert, sah sich aber dennoch rassistischen Attacken ausgesetzt. Auch die nächste Generation bleibt nicht verschont. Anfang 2020 wurde der 22-jährige Berliner Jordan Torunarigha von Anhängern von Schalke 04 mit Affenlauten verunglimpft.

Noch herrscht Lockdown auf den Rängen, Fußballmatches finden im leeren Stadion statt. Aber was dann?

Otto Addo, wie Asamoah aus Ghana stammender Ex-Profi in der deutschen Bundesliga, bilanziert skeptisch: „Egal, ob bei der Wohnungs- oder Jobsuche, für Menschen mit dunkler Hautfarbe hat sich nicht viel verändert. Das ist immer noch so wie vor 20 oder 30 Jahren.“

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