Liga-Chef Ebenbauer zu Super League: „Maske fallengelassen“

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Mit einer gewissen Verblüffung hat Christian Ebenbauer die am Montag bekanntgewordenen Pläne einer europäischen Fußball-Super-League aufgenommen. Selbst wenn dieses Vorhaben schon seit Jahren durch die Medien geisterte - die dermaßen unverhohlen zur Schau gestellte Gier, mit der viele europäische Topclubs nach noch mehr Geld greifen, hat den Wiener dann doch verwundert. Es gibt aber auch einen positiven Aspekt: „Die Masken wurden fallengelassen“, sagte Ebenbauer der APA.

Überraschend war für den Liga-Chef vor allem der Zeitpunkt, an dem das Super-League-Vorhaben veröffentlicht wurde - nämlich wenige Stunden vor der Absegnung einer ohnehin schon schwer umstrittenen Champions-League-Reform, an der einige jener Personen mitwirkten, die plötzlich auf die Super-League-Seite umschwenkten. „Schon diese Reform hat einiges an Zündstoff. Aber die Super League geht noch um einiges weiter, sie widerspricht sämtlichen im europäischen Sport gültigen Grundsätzen“, meinte Ebenbauer mit Hinweis auf die Super League als gleichsam „geschlossene Gesellschaft“ ohne wirklichen Auf- und Abstieg.

Ebenbauer hat aber große Zweifel daran, ob die neue europäische Eliteklasse auch wirklich kommen wird. Was den sportlichen Wert betrifft, fühlt sich der Liga-Vorstand nach eigenen Angaben an die „Harlem Globetrotters“ oder einen Showbewerb erinnert. Zudem sinken die Imagewerte der betreffenden Vereine in den Keller. „Der Schaden, den sich diese weltweit bekannten Marken innerhalb eines Tages zugefügt haben, ist enorm. Ich weiß nicht, ob sie das durchhalten.“

Viel werde nun von der weiteren Vorgehensweise von UEFA und FIFA abhängen. „Jetzt müssen alle Flagge zeigen. Entweder gibt es eine sofortige Rücknahme der Super-League-Ankündigung, oder die Dachverbände und hoffentlich auch die Ligen werden rechtliche Schritte ergreifen“, sagte Ebenbauer.

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Ein heimischer Club wird wohl nie in die Gefahr geraten, der Millionen-Versuchung der Super League zu erliegen. „Es ist nicht davon auszugehen, dass ein österreichischer Club eingeladen wird. Aktuell schütteln unsere Vereine aber darüber sowieso nur den Kopf“, betonte Ebenbauer.


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