Musiker Manu Delago kämpft am Rad für den Klimaschutz

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Als Musiker ist der Tiroler Manu Delago schon weit gereist - sei es mit seinem eigenen Projekt oder als Instrumentalist für Größen wie Björk und Anoushka Shankar. Mit seinem nächsten Vorhaben will der Hangspieler nun ein Statement für den Klimaschutz setzen: Für die „ReCycling Tour“ wollen er und seine Band 25 Konzerte in ganz Österreich geben und dafür rund 1.600 Kilometer mit dem Rad zurücklegen. Eigentlich schon im Vorjahr geplant, soll es nun am 30. April losgehen.

„Die Klimadebatte war für mich der Grund, das zu machen“, erklärte Delago im APA-Gespräch seine Motivation. „Das Klima kann nicht warten, bis Corona vorbei ist. Natürlich ist das an die Politiker gerichtet. Aber wir wollten nicht passiv sein und abwarten, sondern möchten alles rausholen, was geht.“ Zu sechst schmeißt man sich auf die Räder und will nicht nur zwischen Hall und Eisenstadt Konzerte geben, sondern auch Wissen vermitteln.

Gelingen soll dies allen voran mittels kurzer Videos und Liveeinstiege, die jeden Tag geplant sind. „Natürlich hoffen wir, dass es Konzerte mit Publikum geben wird. Aber wir sind auch bereit, nur zu streamen oder kleine Popupkonzerte im Freien zu spielen“, verweist Delago auf die angespannte Coronasituation. „Ich mache sicher keine Veranstaltungen, wenn es nicht erlaubt ist.“

Für den Videooutput wolle er Musik und Inhalte möglichst kreativ verbinden. „Das kann etwa eine Performance sein, zu der es gleichzeitig Infos und Inserts gibt, die mit einem Klimathema zu tun haben. Beispielsweise über Ernährung, Abfall oder Stromerzeugung.“ Auch spezielle Orte und Locations entlang der Route wolle man einbinden, wie auch die Bevölkerung. „Wir wollen definitiv auf die lokalen Gegebenheiten eingehen und vielleicht Betriebe oder Bauernmärkte vorstellen.“

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Für die filmische Umsetzung könne man auf das Archiv von Greenpeace setzen, die als Partner mit an Bord sind. „Am Ende der Tour spenden wir auch zehn Prozent unserer Einnahmen an sie. Es gibt bei ihnen natürlich viel Material über Ozeanverschmutzung, Plastik oder Tierhaltung. Da sind wir mit einzelnen Experten in Kontakt“, so Delago. „Ich will ja nicht nur heiße Luft labern und sagen: Trinkt kein Wasser aus der Plastikflasche! Nein, ich will da schon gute Facts haben und alles wissenschaftlich unterlegen.“

Recherche und Umsetzung liegen ganz bei Delago und seinem Team. „Schon in den vergangenen Jahren habe ich mich intensiv mit dem Thema beschäftigt“, verweist der international gefragte Musiker auf etliche Erlebnisse, die ihn zum Nachdenken gebracht haben. „Durch die Planung dieser Tour ist das jetzt noch mehr geworden. Wir haben Minidrehbücher für die Videos erstellt. Gleichzeitig wollen wir darauf schauen, dass es nicht zu trocken wird, sondern unterhaltsam und gut verständlich.“ Spontanität sei ihm genauso wichtig, etwa wenn es um das Einbinden von Menschen vor Ort geht.

Für die Tour wurden auch eigene Anhänger entwickelt, die nicht nur das gesamte Equipment und weitere Gepäck fassen sollen, sondern mittels Solareinheiten auch den Strom für das musikalische Instrumentarium erzeugen. „Wir hatten durch die Verschiebung im Vorjahr Gelegenheit für einige Testruns. Man muss sich wirklich jedes Gramm genau überlegen“, schmunzelt Delago. Aktuell schätzt er das Gewicht pro Anhänger auf etwa 50 bis 60 Kilo - und auch den selbst erzeugten Müll wolle man mittransportieren und auf diese Weise dokumentieren. „Mal schauen, ob das klappt.“ Auf E-Bikes wird übrigens verzichtet.

So sei die Tour nicht nur ein Umweltschutzstatement, sondern durchaus auch ein sportliches. „Auf Tour ist es oft so, dass man in der Früh schnell ein paar Runden joggen geht, bevor man wieder im Bus sitzt. Da ist dann die Idee entstanden, nicht beim Hotel im Kreis zu laufen, sondern einfach in die nächste Stadt“, erzählt Delago. „Und mit dem Rad ist das dann durchaus realistisch. So kann man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die sportliche Aktivität, die viele auf Tour als Ausgleich brauchen, verwenden wir als tatsächliche Fortbewegung.“

In punkto Versorgung setzt man unterdessen auf die Fans, die man aufgerufen hat, Essen zur Verfügung zu stellen - natürlich, um möglichst wenig CO2-Abdruck und Müll zu hinterlassen. „Das Feedback ist super. Es gibt fast überall Leute, die uns versorgen. Jeden Tag ist unsere Jausenbox leer und wird dann befüllt. Da gibt es wirklich viel Anklang“, so Delago. Als Gegenleistung werde man entweder kurze Musikdarbietungen oder Merchandise anbieten. „Wir versuchen jedenfalls Wege zu finden, uns zu revanchieren.“

35 Tage, 25 Konzerte, mehrere Hundert Kilometer am Rad: So genau alles durchgeplant ist für die „ReCycling Tour“, so groß sind noch einige Fragezeichen. Zweimal führt der Weg die Gruppe etwa nach Deutschland. Andererseits sind die Gigs durchaus in Venues angedacht. Ob all das funktionieren wird, müsse sich erst zeigen. Länger warten kann und will Manu Delago allerdings nicht.

„Das eigentlich Faszinierende an der Coronakrise war für mich zu sehen, wie viel Macht Politiker tatsächlich haben. Es war mir bis dahin nicht wirklich bewusst, wie sehr sie unser Leben verändern können“, so der Musiker. „Sie haben uns gesagt, dass wir zuhause bleiben müssen, und dann machen das alle. Es ist schade, dass das beim Klima nicht passiert. Zwar wird immer wieder ein Deal unterschrieben - aber ändert tut sich fast nichts.“ Mit der „ReCycling Tour“ wolle er ein Umdenken anstoßen, und sei es nur im Kleinen. Fans dürfen sich überdies auf einen neuen Song freuen, der am Tag vor der Tour veröffentlicht wird und als Vorbote für ein neues Album im Herbst gilt.

(Das Gespräch führte Christoph Griessner/APA)

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