„This World Is White No Longer“ im Rupertinum Salzburg

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Wie „weiß“ unsere Welt geprägt ist, ist nicht erst seit dem gewaltsamen Tod von George Floyd oder Amanda Gormans Inaugurationsgedicht Thema. Mit der Ausstellung „This World Is White No Longer“ widmet sich das Salzburger Museum der Moderne (MdM) im Rupertinum ab dem morgigen Samstag „Ansichten einer dezentrierten Welt“, wie es im Untertitel heißt. Ergänzt wird die Präsentation der künstlerischen Positionen durch aktuelle Arbeiten von Studierenden.

„Uns geht es in dieser Ausstellung nicht darum, Kritik an Rassismus nur darzustellen, sondern zu thematisieren, dass es einen anderen Blick auf die Welt geben kann als den westlichen, europäischen“, erläuterte MdM-Direktor Thorsten Sadowsky am Freitag im Rahmen einer Online-Pressekonferenz. Ausgangspunkt für die Schau im Rupertinum ist ein Zitat des US-amerikanischen Schriftstellers James Baldwin aus seinem 1953 entstandenen Essay „Strange in the Village“, den er aufgrund seiner Eindrücke als Schwarzer in einem kleinen Schweizer Dorf verfasste. Der Text schließt mit den Worten „Diese Welt ist nicht mehr weiß und wird es nie mehr sein.“

Dass die Welt „zwar nie nur weiß war, sondern nur der Eindruck entstanden ist, weil diejenigen weiß sind, die auch die politischen Verhältnisse mitbestimmt und Kulturen geprägt haben“, werde laut Sadowsky in den zahlreichen Arbeiten deutlich. So hat man als Einstieg in die Ausstellung die Multimedia-Installation „Black Box / White Box“ der amerikanischen Konzeptkünstlerin Adrian Piper aus dem Jahr 1992 platziert. Der inhaltliche Bogen zu den Geschehnissen seit dem Tod Floyds ist frappant: So bietet die Künstlerin hier - in einem schwarzen und einem weißen Kubus - zwei Sichtweisen auf die Misshandlung des schwarzen US-Bürgers Rodney King durch die örtliche Polizei und die darauffolgende Unterstützung der Täter durch den damaligen Präsidenten George Bush senior. „Die Installation erlaubt es, in zwei unterschiedliche Perspektiven einzutauchen und vom jeweils eigenen Standpunkt aus einen Blickwechsel vorzunehmen“, so Kurator Jürgen Tabor.

Auch die aktuelle Diskussion rund um das Gedicht von Gorman und ob es von nicht-schwarzen Übersetzerinnen und Übersetzern übertragen werden dürfe, findet sich in zahlreichen Kunstwerken. „Spielt in der Kunst und der Frage von Identitäten eine Rolle, wer davon sprechen kann? Dürfen sich weiße Europäer dazu äußern?“, fragt der Kurator. Aufgegriffen wurde diese Frage etwa von Lisl Ponger, die in der Ausstellung mit der Fotoarbeit „Teilnehmende Beobachterin“ (2016) vertreten ist, in der sie sich - in einem traditionellen afrikanischen Gewand - vor einem Spiegel abgelichtet hat und sich einem künstlichen Standortwechsel stellt.

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Der Problematik des eurozentristischen Blicks widmet sich etwa Lothar Baumgarten mit seiner Arbeit „Unsettled Objects“ aus den späten 1960er-Jahren, in der er sich mit der Präsentation von Objekten in europäischen ethnografischen Museen auseinandersetzte. In Voluspa Jarpas Videoarbeit „The Emancipating Opera“ (2019) verzahnen sich die Stimmen europäischer Eroberer in Südamerika und einer chilenischen Sängerin. Thematisiert werde hier auch die Kolonialisierung des Körpers, wie Tabor erläutert. Weitere Highlights der Ausstellung sind Scherenschnitte von Kara Walker, mit denen sie „visuelle Fallen“ in Bezug auf rassistische Klischees stellt, fotografische Re-Enactments von Samuel Fosso wie „Black Pope“ oder die Installationen des chilenischen Künstlers Alfredo Jaar, der den strukturellen Rassismus westlicher Medien mithilfe von Magazin-Covern untersucht.

Den jüngsten - und somit aktuellsten - Blick auf die Thematik werfen Studierende der Klasse für Fotografie und Neue Medien der Universität Mozarteum Salzburg, die eine dreiteilige begleitende Projektausstellung geschaffen haben, die in drei „Akten“ (ab 24. April, 24. Juni und 26. August) präsentiert wird. „Mit einer Vielfalt an Zugängen reflektieren die Studierenden alltäglichen und strukturellen Rassismus, hinterfragen Identitätszuschreibungen und untersuchen Möglichkeiten von Machtkritik und Selbstermächtigung“, fasst Kuratorin Stefanie Grünangerl zusammen. Flankiert wird die Schau von zahlreichen Online-Veranstaltungen.

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