Proteste im Tschad gegen Militärregierung und Frankreich

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Im Tschad haben Tausende junge Menschen in den Straßen der Hauptstadt N‘Djamena gegen die neue Militärregierung und deren Unterstützung durch Frankreich demonstriert. Die Demonstrierenden forderten den Rücktritt der Militärregierung, verbrannten französische Flaggen und riefen anti-französische Parolen. Die Polizei ging unter anderem mit Tränengas vor. Ein Mann soll laut der Organisatoren während der Proteste gestorben sein, 15 weitere Menschen wurden demnach verletzt.

Zu den Protesten unter dem Namen „Wakit Tama“ („Die Stunde ist gekommen“) hatten mehreren Oppositionsparteien und Nichtregierungsorganisationen aufgerufen. Die Behörden hatten die Demonstrationen zuvor verboten.

Vor einer Woche war Tschads Langzeitherrscher Idriss Déby Itno an der Front gestorben. Wenige Stunden später wurde sein Sohn Mahamat als Präsident des Militärrats eingesetzt; er fungiert als Staatsoberhaupt und Oberster Armeechef. Die Regierung und die Nationalversammlung wurden aufgelöst. Die Opposition spricht daher von einem Militärputsch.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der Chefdiplomat der Europäischen Union, Josep Borrell, nahmen am Freitag persönlich an der Trauerfeier teil und sicherten dem zentralafrikanischen Land ihre Unterstützung zu. Für die ehemalige Kolonialmacht Frankreich und Europa, ist der erdölreiche, aber von Armut gebeutelte Tschad ein militärisch wichtiger Partner in der von zahlreichen bewaffneten Gruppen bedrohten Sahel-Region.

Frankreich und der Kongo verurteilten die „Unterdrückung der Demonstrationen im Tschad aufs Schärfste“ und forderten ein „Ende aller Formen von Gewalt“. Man unterstütze einen „inklusiven Übergangsprozess“, der allen politischen Kräften im Tschad offenstehe und das Land innerhalb von 18 Monaten zu Wahlen führe, hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung nach einem Treffen zwischen Macron und Kongos Präsident Félix Tshisekedi in Paris.


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