Loidolt über Festspiele Reichenau: „Corona hat uns getötet“

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„Ich versuche, es locker zu nehmen.“ Renate Loidolt, die als Geschäftsführerin und Mitbegründerin gemeinsam mit ihrem Ehemann Peter Loidolt seit 1988 die Festspiele Reichenau leitet, hat für Ende des Jahres ihren Rücktritt angekündigt. Im APA-Gespräch erläutert sie die Beweggründe für diesen Schritt.

Die Entscheidung, die Leitung der Festspiele zurückzulegen, sei keineswegs spontan gefallen, sondern habe sich schon im Vorjahr abgezeichnet: „Irgendwie haben wir die Freud‘ verloren.“ Persönliche und private Schicksalsschläge hätten ebenfalls dazu geführt, sich nicht länger den Strapazen unter den gegebenen Umständen aussetzen zu wollen. Auch die Situation rund um den Rohbericht des Rechnungshofs sei „denkbar beschämend“, „unschön“ und „nicht elegant“ gewesen, doch letztlich gab anderes Übel den Ausschlag: „Corona hat uns getötet.“

„Leider haben die anhaltenden Auswirkungen der Corona-Pandemie und die damit verbundenen gesetzlichen Verordnungen unsere optimistisch geplante Festspielsaison 2021 zugrunde gerichtet“, liest man auf der Festspiel-Homepage. Die verordnete Auflage, die Platzkapazität auf 50 Prozent zu reduzieren, sei schlicht „nicht machbar“, erklärt Loidolt: „Die Bedingungen müssen stimmen, auch aus unternehmerischer Sicht.“ Daher habe man auch die Saison 2021 abgesagt und die Verträge mit den Schauspielern aufgelöst. Die bisher bestellten und fix gebuchten etwa 21.400 Karten für 89 Vorstellungen übersteigen die nun für Indoor-Spielräume erlaubte Saalkapazität bei weitem.

Schon die Rückzahlungen der bereits so gut wie ausverkauften Saison 2020 haben sehr geschmerzt. Warum es keinen Veranstaltungsschutzschirm für die Festspiele Reichenau gebe? Loidolt: „Ein Staatsfestival wie Salzburg und Bregenz sind wir eben nicht.“ Das Land Niederösterreich habe zwar 100.000 Euro an Sonderhilfe angeboten, allerdings mit dem Vorbehalt einer Rückforderung, je nach Ergebnis des Rechnungshof-Endberichts. Das Geld liege nun auf einem Sperrkonto. Bereichert habe man sich nie, beteuert Loidolt, sondern stets ausgeglichen bilanziert. Finanziell sei man nun „ausgeblutet“, Reserven dienen der Aufrechterhaltung des Bürobetriebs und laufenden Kosten für die angestellten Mitarbeiter der Festspiele.

Verbittert ist Renate Loidolt trotz allem nicht, gibt es doch „schöne Erinnerungen auch“. Natürlich sei man über die Jahrzehnte hinweg erfolgsverwöhnt gewesen und habe sich von „klein und fein“ in Richtung „groß und fein“ entwickelt. Das Festival soll jedenfalls erhalten bleiben. Die Nachfolge ist noch nicht entschieden, der 1981 gegründete Kulturverein Reichenau als Mehrheitseigentümer der Festspiele wird eine Ausschreibung veranlassen. Loidolt wünscht sich keinen Schauspieler, der sich profilieren will, sondern „jemand wie wir“, eher Prinzipal als Intendant, mit kaufmännischem Geschick und künstlerischem Gespür.

Kommende Woche soll es noch ein Gespräch mit Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) geben. Doch einen Rücktritt vom Rücktritt schließt Loidolt kategorisch aus. „Es werden hoffentlich Zeiten kommen, wo man wieder unbeschwert, uneingeschränkt und kalkulierbar Festspiele veranstalten kann. Wo alle Künstler, Mitwirkende und Besucher sich auf die Bühne konzentrieren und die Atmosphäre genießen können, welche die Festspiele Reichenau seit über 30 Jahren auszeichnen“: Diese Hoffnung geben die Loidolts ihrem Publikum via Homepage weiter. Dennoch: Eine legendäre Ära geht in Reichenau unweigerlich zu Ende.

(Das Gespräch führte Ewald Baringer/APA)


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