Nach Raketen aus Gaza: Tote bei israelischem Luftangriff

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Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen sind am Montag nach Angaben des Gesundheitsministeriums in Gaza neun Palästinenser getötet worden. Darunter seien ein Kommandant der radikal-islamischen palästinensischen Hamas, aber auch drei Kinder. Israels Armee sprach von gezielter Tötung von „drei Aktivisten“. Zuvor hatte die Hamas nach schweren Zusammenstößen in Ost-Jerusalem zahlreiche Raketen auf israelische Städte gefeuert, darunter auch auf den Großraum Jerusalem.

Nach palästinensischen Angaben ereignete sich der Vorfall in Beit Hanoun im Norden des Küstenstreifens. Israel reagiert auf Raketenattacken regelmäßig mit Beschuss von Zielen im Gazastreifen. Beobachter rechneten mit schweren Angriffen auf das Küstengebiet in der Nacht.

Laut Israels Armee waren zuvor Dutzende Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel abgefeuert worden. Armeesprecher Jonathan Conricus sprach von einer „unverfrorenen Attacke“, die nicht unbeantwortet bleiben werde. Mehr als 45 Raketen seien allein auf das Gebiet um das Küstengebiet abgeschossen worden. Sechs Raketen hätten Jerusalem als Ziel gehabt.

Eine habe Berichten zufolge ein ziviles Haus in einem Vorort getroffen, eine sei abgefangen worden. Die anderen seien in offenen Gelände niedergegangen. Letztmals habe es in der Stadt im Sommer 2014 Raketenalarm gegeben. Insgesamt betrachtet seien die meisten Raketen in offenem Gelände niedergegangen oder abgefangen worden.

Eine Panzerabwehrwaffe sei vom Gazastreifen aus auf zivile Fahrzeuge abgefeuert worden, fügte Conricus an. Ein Zivilist sei verletzt worden. An den Angriffen seien mehrere palästinensische Terrororganisationen beteiligt gewesen. Nach Angaben des Sprechers macht die Armee die im Gazastreifen herrschende, islamistische Hamas für die Attacken verantwortlich. Die Organisation werde die Konsequenzen tragen.

Zur möglichen Dauer eines Armeeeinsatzes äußerte sich der Sprecher nicht. Es sei Israels Absicht, die Hamas für die Angriffe zur Rechenschaft zu ziehen und ihr einen schweren Schlag zu versetzen. Wie lange dies dauern werde, müsse man sehen. Nach Medienberichten genehmigte das Sicherheitskabinett massive Luftangriffe auf Ziele im Gazastreifen.

Ministerpräsident Benjamin Netanyahu drohte den militanten Palästinenserorganisationen eine harte Reaktion an. „Die Terroristen in Gaza haben am Abend des Jerusalem-Tags eine rote Linie überschritten und uns in den Vororten Jerusalems mit Raketen angegriffen“, sagte Netanyahu bei einer Ansprache in Jerusalem. „Israel wird mit großer Macht reagieren“, sagte Netanyahu. „Wir werden keine Angriffe auf unser Gebiet, unsere Hauptstadt, unsere Bürger und Soldaten dulden. Wer uns angreift, wird einen hohen Preis bezahlen.“ Die israelischen Bürger müssten sich darauf einstellen, dass der gegenwärtige Konflikt länger dauern könnte, sagte er.

Vorausgegangen waren schwere Zusammenstöße von Palästinensern mit israelischen Sicherheitskräften in Jerusalem. In Jerusalem lieferten einander Palästinenser und israelische Polizisten Auseinandersetzungen vor der Al-Aqsa-Moschee. Auf dem Tempelberg brach am Montagabend ein Brand aus. Die israelische Polizei teilte mit, er sei offenbar durch Feuerwerkskörper verursacht worden. Ein Video zeigte, wie ein großer Baum in Flammen aufging.

Seit der gewaltsamen Machtübernahme der Hamas im Gazastreifen im Jahre 2007 haben Israel und die radikale Organisation einander drei Kriege geliefert. Israel und Ägypten halten das Gebiet unter Blockade und begründen dies mit Sicherheitserwägungen. Die Hamas wird von Israel, den USA und der EU als Terrororganisation eingestuft. Sie verfolgt die Zerstörung Israels. Rund zwei Millionen Menschen leben in dem Palästinensergebiet unter schlechten Bedingungen. Im August 2020 hatte die Hamas nach Vermittlung Katars eine Waffenruhe mit Israel verkündet. Aber auch danach gab es immer wieder Verstöße.

Nach heftigen Zusammenstößen in Jerusalem hatte der militärische Hamas-Flügel Israel zuvor ein Ultimatum gestellt. Ein Sprecher der Organisation in Gaza forderte, Israel müsse bis 18.00 Uhr Ortszeit (17.00 MEZ) alle Polizisten und Siedler vom Tempelberg (Al-Haram al-Scharif/Das edle Heiligtum) sowie aus dem Viertel Scheikh Jarrah in Ost-Jerusalem abziehen. Außerdem müssten alle im Rahmen der jüngsten Konfrontationen festgenommenen Palästinenser freigelassen werden. Es handle sich um eine Warnung.

Auf dem Tempelberg in Jerusalems Altstadt war es am Montag erneut zu schweren Auseinandersetzungen gekommen. Vor der Al-Aqsa-Moschee setzten Polizisten Blendgranaten, Tränengas und Gummigeschoße gegen Steine werfende Palästinenser ein. Palästinensische Rettungskräfte sprachen von mehr als 300 Verletzten. Nach Polizei-Angaben wurden fast zwei Dutzend Beamte verletzt.

Der Marsch durch die Jerusalemer Altstadt anlässlich des israelischen Feiertags „Jerusalem-Tag“ wurde unterdessen wegen der jüngsten Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der Polizei abgesagt. Am „Jerusalem-Tag“ wird in Israel traditionell der israelischen Besetzung von Ost-Jerusalem im Sechs-Tage-Krieg 1967 gedacht.

Die Palästinenser sehen Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates. Der Tempelberg mit dem Felsendom und der Al-Aqsa-Moschee ist für Juden wie Muslime von herausragender Bedeutung. Es ist die drittheiligste Stätte im Islam. Zugleich standen dort früher zwei jüdische Tempel, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

Die Lage im Westjordanland und im arabisch geprägten Ostteil Jerusalems ist seit Beginn des Fastenmonats Ramadan angespannt. Bei heftigen Zusammenstößen waren in Jerusalem schon seit Freitag rund 300 Palästinenser und rund 20 Polizisten verletzt worden.

Die tagelangen Proteste hatten im Viertel Sheikh Jarrah, ihren Ausgang genommen, weil dort 30 Palästinenser mit der Zwangsräumung ihrer Wohnungen rechnen müssen. Ein für Montag geplanter Gerichtstermin zu den Zwangsräumungen wurde am Sonntag verschoben.

Der UN-Sicherheitsrat beriet am Montag in einer Dringlichkeitssitzung über die Gewalteskalation in Jerusalem. Auf eine gemeinsame Erklärung konnten sich die Ratsmitglieder zunächst nicht einigen. Einem Diplomaten zufolge erklärten die USA, sie würden sich „hinter den Kulissen“ darum bemühen, die Situation zu beruhigen. Washington äußerte demnach Zweifel, ob eine öffentliche Botschaft zu diesem Zeitpunkt hilfreich sei.

Die Beratungen im Sicherheitsrat über einen gemeinsam von Norwegen, Tunesien und China eingebrachten Entwurfstext dauerten nach Angaben von Diplomaten an. Die ursprüngliche Fassung enthält den Aufruf an Israel, auf Siedlungsaktivitäten, die Zerstörung von Häusern und Zwangsräumungen unter anderem in Ost-Jerusalem zu verzichten. Der Text könnte nach Einschätzung von Diplomaten noch abgeschwächt werden.

UN-Generalsekretär António Guterres warnte aber vor einer weiteren Eskalation der Lage. „Er verurteilt aufs Schärfste den Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen nach Israel, zu denen sich Berichten zufolge die Hamas bekannt hat“, sagte Guterres-Sprecher Stephane Dujarric am Montag in New York. Der Chef der Vereinten Nationen forderte von Israelis und Palästinensern „maximale Zurückhaltung“. Die UN betonten erneut ihre „tiefe Besorgnis“ über die „anhaltende Gewalt im besetzten Ost-Jerusalem“ sowie die mögliche Vertreibung von palästinensischen Familien aus dem Stadtteil Scheikh Jarrah.


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