Zeichen in Nahost stehen weiter auf Eskalation

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Trotz internationaler Appelle für ein rasches Ende der Gewalt stehen die Zeichen in Nahost weiter auf Eskalation: Aus dem Gazastreifen wurden erneut Hunderte Raketen auf Israel abgefeuert, Flüge zum Flughafen Ben Gurion wurden umgeleitet. In mehreren israelischen Städten gab es Auseinandersetzungen zwischen jüdischen und arabischen Bewohnern. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu stimmte die Bürger des Landes unterdessen auf einen längeren Einsatz im Gazastreifen ein.

Nach tagelangem gegenseitigen Beschuss zwischen der radikalislamischen Hamas und der israelischen Armee wächst international die Angst vor einem erneuten Krieg im Nahen Osten. In weiten Teilen Israels wurde erneut Raketenalarm ausgelöst. In Petah Tikva nahe Tel Aviv wurden fünf Menschen verletzt, als ein Geschoss aus dem Gazastreifen in einem Wohnkomplex einschlug.

„Es wird einige Zeit dauern, aber mit großer Entschlossenheit, sowohl defensiv als auch offensiv, werden wir unser Ziel erreichen - die Ruhe im Staat Israel wiederherzustellen“, sagte er am Donnerstag. Die Verteidigung durch das System „Iron Dome“ (Eisenkuppel) gebe Israel Raum für Angriffe, so Netanjahu. Demnach seien schon fast 1.000 Ziele der militanten Palästinenser beschossen worden.

Seit Montagabend beschießen militante Palästinenser Israel massiv mit Raketen. Die israelische Armee reagiert auf den Beschuss mit dem umfangreichsten Bombardement seit dem Gaza-Krieg des Jahres 2014. Nach israelischen Angaben feuerten militante Palästinenserorganisationen wie die Hamas und der Islamische Jihad bisher mehr als 1.600 Raketen aus dem Gazastreifen auf Israel ab. Dabei wurden in Israel sieben Menschen getötet, darunter ein Kind sowie ein Soldat.

Nach palästinensischen Angaben wurden bei den israelischen Angriffen seit Montag insgesamt 83 Menschen getötet, darunter 17 Kinder. Zudem meldeten die Gesundheitsbehörde knapp 500 Verletzte.

Die israelische Armee beschoss am Donnerstag mehrere Gruppen von Hamas-Kämpfern, die Panzerabwehrraketen abfeuern wollten. Insgesamt vier militante Trupps seien aufgespürt und angegriffen worden, teilte das Militär mit. Zudem hätten Streitkräfte ein Militärgelände mit drei Vorrichtungen zum Abschuss von Panzerabwehrraketen auf einem Gelände der Hamas getroffen.

Mittwochabend beschloss das israelische Sicherheitskabinett Ausweitung des Militäreinsatzes gegen die im Gazastreifen herrschende islamistischen Hamas. Die Armee solle von sofort an gezielt „Symbole der Hamas-Herrschaft“ in dem Palästinensergebiet angreifen, berichtete der Sender Kanal 12.

Vor dem Hintergrund des Konflikts nahmen auch die Spannungen zwischen jüdischen und arabischen Israelis zu. Die Polizei berichtete am späten Mittwochabend von gewaltsamen Zwischenfällen in Akkon (Akko), Haifa und Lod. Mehr als 370 Menschen wurden festgenommen. In Bat Yam südlich von Tel Aviv wurde ein mutmaßlich arabischer Einwohner von einer wütenden Menge ultranationalistischer Juden attackiert.

Netanyahu prangerte die Gewalt in israelischen Städten als „inakzeptabel“ an. „Nichts rechtfertigt das Lynchen von Arabern durch Juden und nichts rechtfertigt das Lynchen von Juden durch Araber“, betonte er. Mit Blick auf die Ausschreitungen im Land und den gleichzeitigen Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen sprach Netanyahu von einem Kampf „an zwei Fronten“.

Präsident Reuven Rivlin verurteilte die Gewalt auf Israels Straßen. Sie sei „eine echte Bedrohung für die israelische Souveränität“. Die gemäßigte Mehrheit von Juden und Arabern müsse sich für Rechtsstaatlichkeit und eine gemeinsame Existenz einsetzen, forderte Rivlin. „Wir dürfen nicht zulassen, dass Extremisten den Ton angeben.“

Verteidigungsminister Benny Gantz kündigte eine „deutliche Verstärkung“ der Sicherheitskräfte in ganz Israel an. „Es ist jetzt notwendig, die Kräfte vor Ort deutlich zu verstärken, um Recht und Ordnung durchzusetzen“, so Gantz. Bei den Kräften handle es sich um Reservisten der israelischen Grenzpolizei.

Als Auslöser der jüngsten Gewalteskalation gelten etwa Polizei-Absperrungen in der Jerusalemer Altstadt, die viele junge Palästinenser als Demütigung empfanden. Hinzu kamen drohende Zwangsräumungen von Familien und daraus resultierende Auseinandersetzungen von Palästinensern und israelischen Siedlern im Jerusalemer Viertel Sheikh Jarrah sowie heftige Zusammenstöße auf dem Tempelberg.

Unterdessen setzten mehrere Fluglinien wegen des neu aufgeflammten Nahost-Konflikts ihre Flüge von und nach Tel Aviv aus. Austrian Airlines, Lufthansa und British Airways annullierten ihre Flüge vorübergehend.

Ägypten bemühte sich indes erneut um Vermittlung zwischen Israelis und Palästinensern. Eine ägyptische Delegation traf dafür am Donnerstag in Tel Aviv ein, um auf eine Feuerpause zwischen beiden Seiten hinzuarbeiten, wie es aus Sicherheitskreisen hieß. In den Gesprächen solle es auch um Wohnungsräumungen gehen, die palästinensischen Familien in Jerusalem drohten.


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