Auch Lehrer sollen in Kindergärten quereinsteigen können

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Die elementarpädagogischen Einrichtungen (Kindergarten, Krippe, Kindergruppen, Tageseltern) kämpfen schon lange mit Personalmangel. Ab Herbst soll deshalb eine neue Ausbildungsschiene für Quereinsteiger an Pädagogischen Hochschulen (PH) starten. Der Hochschullehrgang „Elementarpädagogik“ richtet sich dabei nicht nur an Absolventen der Bildungswissenschaften. Auch Volks- und Sonderschullehrer sollen sich zu Elementarpädagogen weiterbilden können.

Derzeit werden Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen (nur rund zwei Prozent Männer arbeiten laut Statistik Austria in diesem Bereich) grundsätzlich an Bildungsanstalten für Elementarpädagogik (Bafep) ausgebildet. Das Gros beginnt die Ausbildung mit 14 und schließt sie mit Matura und Berufsberechtigung ab. Ein knappes Drittel absolviert Kollegs, für die Matura, Berufsreife-oder Studienberechtigungsprüfung Voraussetzung sind. Allerdings steigt nur ein kleiner Teil der Absolventinnen und Absolventen der Bafep-Langform auch wirklich in den Beruf ein. Bei den Kollegabsolventen, die sich erst im Erwachsenenalter für den Beruf entscheiden, ist die Einstiegsquote deutlich höher.

Um mehr Personal an die elementarpädagogischen Einrichtungen zu bringen, wurde im Regierungsprogramm ein Modell für Quereinsteiger vereinbart. Am Personalmangel wird das freilich vorerst wenig ändern: Gestartet wird zunächst an vier PHs (PH Wien, Kirchliche PH Wien/Krems, PH Niederösterreich, PH Burgenland), wobei jeweils maximal 25 Studienplätze zur Verfügung stehen.

Umfang der Ausbildung sind 60 ECTS, das entspricht dem Arbeitsaufwand von einem Jahr Vollzeitstudium. „Facheinschlägig vorgebildete Personen“ sollen dabei berufsbegleitend innerhalb von mindestens zwei Semestern zur „gruppenführenden Elementarpädagogin“ ausgebildet werden. War dabei zunächst nur von Absolventen eines Bachelorstudiums Pädagogik, Erziehungs- und Bildungswissenschaften die Rede, soll nun auch Volks- und Sonderschullehrer diese Möglichkeit offenstehen. Die Beschränkung auf diese beiden Schulformen wird im Bildungsministerium damit begründet, dass es dort mit dem Klassenlehrersystem eine ähnliche Struktur gibt und es sich um ähnliche Altersgruppen handelt.

Beim Aufnahmeverfahren für die Quereinsteiger, das neben einem Motivationsschreiben auch Aufgaben und Diskussionen in Kleingruppen umfasst, werde vor allem auf gute soziale und kommunikative Fähigkeiten sowie eine hohe Bereitschaft zur Selbstreflexion geachtet, betont Natascha Taslimi vom Netzwerks Elementare Bildung (NeBÖ). Sie war in die Erarbeitung der Studienpläne eingebunden und wird den Hochschullehrgang „Elementarpädagogik“ an der PH Wien leiten. Abgeschlossen wird die Ausbildung mit der Präsentation eines Theorie-Praxis-Portfolios. Dabei sollen die Teilnehmer zeigen, welche Lernentwicklung sie in Theorie und Praxis (mehr als vier Wochen Praktika gehören zum Lehrgang dazu) gemacht haben.

Taslimi glaubt, dass die Absolventen der neuen Ausbildung dem System Kindergarten gut tun werden. Schließlich brächten die Quereinsteiger andere Vorerfahrungen aus ihrer bisherigen Bildungs- und Berufslaufbahn mit. „Für das Professionsverständnis ist das sehr gewinnbringend“, betont sie gegenüber der APA. Die Nachfrage nach dem neuen Angebot sei jedenfalls groß - auch aus jenen Bundesländern, in denen im Herbst noch kein entsprechender Hochschullehrgang starten wird.


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