Neustart im Stadtsaal: Lukas Resetarits gab „Das Letzte“

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„Kein Abschied“ würde es werden: Das hat Lukas Resetarits im Untertitel seines 28. Soloprogramms „Das Letzte“ versprochen. Bei der Premiere am Mittwochabend standen die Zeichen aber sowieso auf Neuanfang, ging doch nach den monatelangen Corona-Schließungen erstmals wieder eine Vorstellung über die Bühne des Wiener Stadtsaals. Dem Kabarett-Urgestein war die Wiedersehensfreude mit dem Publikum anzusehen - auch wenn er sich vor allem anfangs noch etwas warmspielen musste.

„Ich habe so lange keine Menschen gesehen. Ich bin froh, dass Sie da sind“, versicherte Resetarits gleich zu Beginn vor den coronabedingt etwas schütter besetzten Reihen. Die Besucherinnen und Besucher gaben das Kompliment per Applaus gern zurück. Und schon war man mittendrin in der gemeinsamen Pandemie-Aufarbeitung.

Fast die ganze erste Hälfte des mit Pause mehr als zweistündigen Abends, der erneut mit Tochter Kathrin als Co-Autorin entstanden ist, arbeitet sich der Satiriker am Virus und seinen kuriosen Folgeerscheinungen ab. Das ist der schwächere Teil des Programms, was daran liegen mag, dass man nach 15 Monaten Ausnahmesituation keine inzwischen gefühlt hundertfach variierten Kalauer mehr über das Outfit bei Zoom-Konferenzen, Fernsehexzesse im Lockdown oder die Krise als Chance hören will. Aber auch, wenn Resetarits einen ungarischen Fahrradboten mimt, um die Auswüchse einer dienstleistungssüchtigen Gesellschaft zu illustrieren, bleibt das seltsam mau.

Die Gabe Resetarits‘, komplexe gesellschaftliche oder politische Entwicklungen in tragikomische Alltagsszenen zu verpacken, vermisst man in dieser ersten Stunde weitgehend. Außerdem klebt der an sich begnadete Geschichtenerzähler sehr an der „Schummelmappe“, was dem Plauderton nicht unbedingt zum Besten gereicht - auch wenn der inzwischen 73-Jährige, meistens am kleinen Bühnentisch sitzend, einmal explizit mit der schriftlichen Gedankenstütze kokettiert.

Zu alter Form, was Inhalt und Performance betrifft, läuft der um politische Schärfe nie verlegene Humanist dann nach der Pause auf, wenn er sich die „Milliardärsgewerkschaft“ ÖVP vorknöpft: „Die Superreichen brauchen auch eine Interessensvertretung.“ Profiteure sind eben die Wenigen - insofern sei die Volkspartei eine „Völkchenpartei mit einem Staatsmännchen an der Spitze“.

Resetarits holt diverse Affären aus der jüngeren Vergangenheit zurück ins Gedächtnis. Er lässt den Festplattenschredderer über „Basti, Blümi, Elli“ und die ganze „Familie“ erzählen oder erinnert an das gescheiterte „Kaufhaus Österreich“, in dem man zwar nichts habe kaufen können, „aber selbst hat‘s doch einiges gekostet“. Oder war das Ganze einfach ein subversives Statement gegen den Konsumterror? „Man spürt doch den Einfluss der Grünen in der Regierung“, legt Resetarits, Linker seit jeher, auch dem Koalitionspartner eine auf.

Gruselig, weil beklemmend stimmig, wird es, wenn Resetarits über die Zukunftsvision der türkisen Regierungstruppe spekuliert. Am Ende steht die „ökosoziale Sklavenwirtschaft“ als Lösung für die Post-Corona-Zeit. Denn ein Sklave habe keine Angst vor Entlassung wie die MAN-Belegschaft in Steyr. Es gebe kein Lohndumping, weil keinen Lohn, und - anders als bei den Erntehelfern im Marchfeld - passe der Arbeitgeber auf seine Untergebenen auf.

Historisch habe sich das Modell jedenfalls bereits bewährt: „Mit einer Gewerkschaft hätte es nie eine Cheopspyramide gegeben.“ Und die Folgen von Umweltzerstörung? Ein Klacks: „Wenn die Bienen weg sind, bestäuben halt die Sklaven die Marillen in der Wachau. Und damit es schöner ausschaut, zieht man ihnen schwarz-gelb-gestreifte Strampler an.“ Es geht eben nichts über gutes Marketing - das hat Resetarits von Kurz & Co. bereits gelernt: „Die Türkisen machen vielleicht viel Schas. Aber sie machen die beste Werbung dafür.“

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