Originalgetreuer „Titanic“-Nachbau für Touristen in China

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Diese „Titanic“ wird voraussichtlich nie sinken: Mehr als ein Jahrhundert nach dem Untergang des Ozeanriesen entsteht in einem Themenpark in Zentralchina ein originalgetreuer Nachbau des britischen Passagierschiffes, dessen Stapellauf sich am Montag zum 110. Mal jährte. Der Nachbau soll jährlich Millionen Touristen anlocken. Hauptinvestor Su Shaojun ließ sich dazu vom gleichnamigen Kinohit von 1997 inspirieren - einst umsatzstärkster Film der Welt und in China enorm populär.

Der Untergang des als unsinkbar geltenden Luxusliners gilt als die größte Katastrophe der Seefahrt - und als Sinnbild für die überhebliche Annahme des Menschen, er könne die Welt beherrschen. Auf ihrer Jungfernfahrt 1912 kollidierte die „Titanic“ mit einem Eisberg und versank in den Tiefen des Atlantiks. Bei dem Schiffsunglück starben mehr als 1.500 Menschen.

Mit der kühnen, 260 Meter langen Replik will Geldgeber Su nach eigenen Worten die Erinnerungen an die „Titanic“ wach halten. „Ich hoffe, dieses Schiff wird auch in 100 oder 200 Jahren noch da sein“, sagt Su. „Wir bauen ein Museum für die ‚Titanic‘.“ Voraussichtlich ab Ende 2021 sollen Touristen auf dem Schiffsnachbau übernachten können.

Mehr als hundert Arbeiter bauten sechs Jahre lang an der Schiffskopie, in die 23.000 Tonnen Stahl und umgerechnet 126,3 Millionen Euro gesteckt wurden. Vom Speisesaal über die Luxuskabinen bis zu den Türgriffen ist alles dem Original nachempfunden und soll das Herzstück des Freizeitparks „Titanicland“ in der Provinz Sichuan sein - mehr als 1000 Kilometer vom Meer entfernt.

Die Anlage beherbergt auch eine Nachbildung des Hafens von Southampton, wie er in dem Katastrophenepos von James Cameron 1997 gezeigt wird: Dort schwingt sich der von Leonardo DiCaprio verkörperte Jack an Bord, nachdem er bei einer Wette ein Ticket gewonnen hat.

Umgerechnet rund 256 Euro kostet eine Nacht auf dem Nachbau inklusive „Fünf-Sterne-Kreuzfahrt-Service“, erläutert Su. Um in die „Titanic“ zu investieren, verkaufte er seine Vermögenswerte im Energiesektor, darunter Beteiligungen an mehreren Wasserkraftanlagen.

Eine funktionierende Dampfmaschine soll den Gästen auf dem „Titanic“-Nachbau das Gefühl geben, wirklich auf See zu sein. Und Shuttle-Busse spielen im Dauerbetrieb die Titelmelodie des Films, Celine Dions „My Heart Will Go On“.

Doch schon vor der Eröffnung hat das insgesamt 1,2 Milliarden Euro teure Projekt für Kontroversen gesorgt. Online wurde diskutiert, ob das berühmte Schiff angesichts des tragischen Schicksals der echten „Titanic“ tatsächlich Touristen anlocken würde.

Einige verweisen auf andere chinesische Bauprojekte, die sich als Flops erwiesen, darunter ein Nachbau des US-Flugzeugträgers „USS Enterprise“ aus dem Jahr 2008, der immerhin rund 15 Millionen Euro kostete und bald nach seiner Eröffnung wieder aufgegeben wurde. Doch Su hofft auf bis zu fünf Millionen Besucher seiner „Titanic“ pro Jahr. „Dieses Touristenaufkommen sollte die Rendite unserer Investition garantieren“, sagt der Investor.

Projektmanager Xu Junnian findet es wichtig, die Erinnerung an das Schiff zu bewahren: „Die größte Bedeutung des Baus dieses Schiffes ist es, den großen Geist der ‚Titanic‘ weiterzutragen und zu vererben.“ Dazu hofft Unternehmer Su auf Prominenz zum Auftakt: „Wir würden gerne Jack, Rose und James Cameron zur Eröffnungszeremonie einladen“, sagt er mit Blick auf die Titelrollen des „Titanic“-Films und dessen Regisseur.

Zudem beherrschte die Titanic die Schlagzeilen in China unlängst wegen der Veröffentlichung einer neuen Dokumentation: „Die Sechs“ erzählt die Geschichte von sechs chinesischen Passagieren, die den Untergang überlebten.

Die „Titanic“ war am 10. April 1912 im südenglischen Southhampton ausgelaufen und schon vier Tage später vor Kanada gesunken. Das Wrack wurde 1985 in 4000 Metern Tiefe entdeckt.


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