Klagenfurterin Verena Gotthardt nimmt am Bachmann-Preis teil

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Es war im wahrsten Sinne des Wortes ein Kindheitstraum: einmal am Bachmann-Preis teilnehmen. Die Klagenfurterin Verena Gotthardt, die am 8. Juni ihren 25. Geburtstag feiert, wohnte als Kind „wenige Meter vom ORF-Zentrum entfernt. Wir sind vorbeigegangen, und ich habe träumerisch gesagt: Irgendwann lese ich dort auch“, lacht die Kärntner Slowenin im APA-Gespräch. Nun ist es - im zweiten Anlauf - soweit. Eingeladen wurde sie von der neu zur Jury gestoßenen Mara Delius.

Die Vorstellung, irgendwann nominiert zu werden, habe Gotthardt bei ihrem Schreiben begleitet. „So gesehen war es intentionales Schreiben“, lacht die Autorin, die in Wien an der Angewandten in der Klasse von Gabriele Rothemann Fotografie und bildende Kunst studiert. Dabei waren es zunächst slowenische Gedichte, die sie 2013 im Alter von gerade einmal 17 Jahren unter dem Titel „Najdeni nič“ (Gefundenes Nichts) im Hermagoras Verlag veröffentlichte. Ausschlaggebend waren Literaturwettbewerbe am Slowenischen Gymnasium, die die Schüler zum Schreiben in slowenischer Sprache anregen sollten. Mit Prosa hat Gotthardt erst später, während ihres Erasmus-Jahres in Paris, angefangen. 2018 veröffentlichte sie den Erzählband „herausgehen“. „Aber es ist keine konventionelle Prosa, eher sind diese Texte sehr lange Gedichte“, schmunzelt sie.

Der Bachmann-Wettbewerb, der heuer am 16. Juni startet, war trotz der räumlichen Nähe dennoch immer etwas „weit Entferntes“. Das merkte sie etwa, wenn sie Maja Haderlap, die vor zehn Jahren den Hauptpreis gewann, auf der Straße begegnete. Als sie heuer von einer deutschen Nummer angerufen wurde, dachte sie zunächst, es sei einer dieser Anrufe, die mit einem ihrer Kunstprojekte zu tun haben. „Vor ein paar Jahren habe ich aus Ton einen Stein geformt und meine Telefonnummer eingeritzt und ihn in Italien ausgesetzt. Menschen konnten mich anrufen und mich über das Kunstprojekt befragen.“ Am anderen Ende war dann aber kein Finder des Steins, sondern eben Mara Delius. „Ich habe es am Anfang gar nicht realisiert. Ich dachte, sie will mir einfach sagen, dass ihr mein Text gefallen hat.“ Erst als die Jurorin begonnen habe, von einem Fernsehteam zu sprechen, das sie besuchen werde, habe sie verstanden, dass sie nominiert wurde. „Es ist, als würde ich mir selbst dabei zuschauen.“

Vor der Jurydiskussion und möglichen kritischen Tönen fürchtet sie sich nicht. „An der Angewandten haben wir jede Woche ein Plenum, in dem unsere künstlerischen Arbeiten besprochen werden.“ Sie sei Kritik also gewöhnt und könne das für sich herausnehmen, das ihr in ihrer Arbeit weiterhelfe. Etwas unangenehmer sei es ihr allerdings, dass sie nun so viel Aufmerksamkeit bekomme. „Manchmal mache ich mir Sorgen, was die Leute in meinen Texten lesen, das ich so vielleicht nicht gemeint habe. Letztendlich muss ein Text jedoch selbstständig sein und wird natürlich immer von jedem anders gelesen. Das ist mir schon bewusst.“ In ihrem Schreiben gehe es vor allem ums Erinnern. Nachsatz: „Aber nicht auf eine schwere Art.“

Der Umstand, dass die Autorinnen und Autoren auch heuer nicht live in Klagenfurt lesen werden, sei zwar bedauerlich, nehme aber auch ein wenig den Druck beim Vortrag des Textes. Dennoch werde es eigenartig sein, mit der Jury nur per Bildschirm verbunden zu sein. Gotthardt will allerdings auf jeden Fall nach Klagenfurt zu ihren Eltern fahren, um zumindest die Stimmung in der Stadt ein wenig aufzusaugen und am Rahmenprogramm teilzunehmen.

Verena Gotthardt arbeitet auch als bildende Künstlerin, ihr Autorinnen-Video - in dem sie durch den Lichtschachtsucher einer Mittelformatkamera filmt - hat sie selbst gedreht. „Für mich macht es keinen großen Unterschied, ob ich schreibe oder fotografiere. Beides ist für mich eine Art Übersetzung. Dadurch, dass ich zweisprachig aufgewachsen bin, geht das auch zwischen Sprache und Film oder Foto. Es sind dieselben Impulse da, um etwas zu schreiben oder zu fotografieren. Ich lese beim Fotografieren und sehe beim Schreiben. „

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