Van der Bellen schenkt Papst Ziegenherde

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Bundespräsident Alexander Van der Bellen ist Montag Vormittag im Vatikan mit Papst Franziskus zusammengetroffen. Gemeinsam mit seiner Frau Doris Schmidauer hatte Van der Bellen auch Präsente dabei. Dem Papst wurde laut Präsidentschaftskanzlei ein Bild der Malerin Karin Mayer aus der Caritas-Kunstgruppe Retz für Menschen mit Behinderungen verehrt. Zudem eine symbolische „Ziegenherde“ (20 Ziegen) aus der „Sinnvoll Schenken“-Reihe der Caritas für bedürftige Familien in Burundi.

Außerdem bekam Franziskus einen Katalog der Ausstellung „Kunststationen“, die derzeit im Stift Melk zu sehen ist und Werke von 13 Künstlerinnen und Künstlern der Gruppe zeigt, zu der auch Karin Mayer gehört. Die 1967 geborene Künstlerin freut sich der Präsidentschaftskanzlei zufolge sehr. Dass einmal eines ihrer Bilder niemand Geringerem als Papst Franziskus übergeben würde, hätte sie vor wenigen Tagen nicht für möglich gehalten. Auch Thomas Krottendorfer, Leiter mehrerer Caritas-Einrichtungen für Menschen mit Behinderung in Niederösterreich, war über die Auswahl der Geschenke erfreut. „Wir empfinden es als große Anerkennung für unsere Arbeit, vor allem aber für die Arbeit der Kunstgruppe Retz.“

Karin Mayer arbeitet seit etwa sechs Jahren in der Kunstgruppe Retz auf kleineren und großformatigen Blättern an Zeichnungen mit Bunt- und Bleistiften. „Mayers farbintensive Zeichnungen setzen sich aus vielen dicht aneinander gegliederten Einzelteilchen zusammen und verschmelzen dann zu einer großen Einheit. In ihrer Gesamtheit lassen die Teilchen oft eine Gruppe von Figuren oder Blumen erkennen, die sich in der Masse auch sofort wieder auflösen können. Oftmals tauchen vereinzelte Motive auf, wie Häuser, Tannenbäume oder Sterne“, hieß es in einer von der Präsidentschaftskanzlei mitgelieferten Werksbeschreibung Mayers. Die Kunstgruppe der Caritas der Erzdiözese Wien für Menschen mit Behinderung gibt es seit den 1980er-Jahren.

Weiters kam Van der Bellen, der bei seinem Rom-Besuch auch von EU-Ministerin Karoline Edtstadler (ÖVP) und Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) begleitet wird, auch mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin zusammen, dem „ein Kreuz aus Holz und Glas, gefertigt von Mitarbeitern der Caritas-Behindertenwerkstätte in St. Pölten“ und eine Sachertorte überreicht wurden.

Thematisch standen im Vatikan laut Plan vor allem die Klimakrise und die aktuelle Corona-Pandemie-Lage im Mittelpunkt. Papst Franziskus hat sich in seinen Enzykliken „Laudato Si‘“ und „Fratelli Tutti“ mit Fragen des Umwelt- und Klimaschutzes sowie des sozialen Zusammenhalts auseinandergesetzt. Es war dies, nach einer Visite im November 2017, der zweite Besuch Van der Bellens bei Franziskus.

Danach wird der Bundespräsident am Montag von seinem italienischen Amtskollegen Sergio Mattarella empfangen. Neben bilateralen Themen sollen im Quirinalspalast laut Präsidentschaftskanzlei der „Weg des gemeinsamen Europa nach der Corona-Pandemie und der Kampf gegen die Klimakrise sowie das Verhältnis Europas zu den Großmächten und die EU-Annäherung der Westbalkan-Staaten“ zur Sprache kommen. Abschließend gibt es am Dienstag ein Treffen mit Premierminister Mario Draghi und mit den Südtiroler Abgeordneten im italienischen Parlament.

Edstadler hat am Montagnachmittag einen Termin mit der italienischen Innenministerin Luciana Lamorgese, bei dem laut Diplomatenkreisen wohl das Thema Migration erörtert wird. Gewessler kommt demnach Dienstag früh mit Verkehrsminister Enrico Giovannini zusammen. Bei diesem Gespräch dürfte es nicht zuletzt um das Thema Transit am Brenner gehen.


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