Djokovic dreht 0:2-Satzrückstand zum French-Open-Triumph

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Der Serbe Novak Djokovic hat zum insgesamt zweiten Mal den Einzel-Titel der Tennis-French-Open gewonnen. Der 34-Jährige besiegte am Sonntag im Finale topgesetzt den als Nummer fünf eingestuften Griechen Stefanos Tsitsipas nach 4:11 Stunden 6:7(2),2:6,6:3,6:2,6:4. Mit dem Triumph in seinem sechsten Endspiel bei diesem Sand-Klassiker holte Djokovic seinen 19. Grand-Slam-Titel, womit ihm nur noch einer auf die Rekordmarke von Roger Federer (SUI) und Rafael Nadal (ESP) fehlt.

Zum zweiten Mal also durfte Djokovic den Coupe des Mousquetaires entgegennehmen. Tennis-Legende Björn Borg - vor kurzem 65 Jahre alt geworden - überreichte ihm den Pokal. Ergriffen sang der Sieger bei der serbischen Nationalhymne mit. „Das ist ein Traum“, sagte er und fügte mit Blick auf seine Box hinzu: „Die größte Motivation sind meine Frau und meine Kinder. Es war wieder eine elektrisierende Atmosphäre. Ich habe jetzt in weniger als 48 Stunden neun Stunden Tennis gespielt.“

Für Tsitsipas hatte er tröstende Worte übrig, die den Griechen nach seinem ersten Grand-Slam-Finale nicht fröhlicher stimmen konnten. „Novak hat uns in den letzten Jahren gezeigt, was ein großer Champion ist. Hoffentlich kann ich einmal die Hälfte von dem erreichen“, sagte Tsitsipas, der bei der Siegerehrung untröstlich und leer zwischen den Ex-Siegern Borg und Jim Courier stand. „Diese Jungs spielen zu sehen, ist unglaublich“, sagte Borg nach dem großen Finale.

Djokovic sicherte sich erstmals nach einem 0:2-Satzrückstand einen Major-Gewinn, für den Sieg kassiert er 1,4 Mio. Euro. Grand-Slam-Finaldebütant Tsitsipas hatte die ersten beiden Sätze klar dominiert, er wird für seine Leistung mit 750.000 Euro entlohnt. In der neuen Weltrangliste wird der 22-Jährige an Dominic Thiem vorbei von Position fünf auf vier vorstoßen. Thiem hatte die French-Open-Endspiele 2018 und 2019 jeweils gegen Nadal verloren.

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Während der Niederösterreicher diesmal bereits in Runde eins ausgeschieden war, schaffte es mit Tsitsipas ein anderer der Herausforderer der „Top Three“ bis ins Finale und sah in diesem nach grandios gestalteten zwei Sätzen wie der kommende Sieger aus. Doch Djokovic drehte die Partie und bewies einmal mehr seine mentale Stärke sowie seine außergewöhnliche Klasse. Nach dem Aufschlagverlust zum 1:2 wehrte sich Tsitsipas zwar noch nach Kräften, musste aber des Gegners Klasse anerkennen.

Als entscheidend für den Umschwung erwies sich das vierte Game im dritten Satz, das der Favorit nach mehr als elf Minuten und mit seinem fünften Breakball für sich entschied. Danach war Tsitsipas nicht mehr ganz derselbe. Er konnte nur noch selten im gleichen Maße das Tempo vorgeben wie noch in den ersten beiden Sätzen. Zu oft musste Tsitsipas aus der Defensive, teilweise weit hinter der Grundlinie reagieren.

Djokovic zermürbte Tsitsipas, der am Freitag mit einem Fünfsatz-Erfolg gegen Alexander Zverev auch ein kräfteraubendes Halbfinale bestritten hatte. Er hatte eineinhalb Stunden lang sehr vieles richtig gemacht. Er hatte stark serviert, exzellent verteidigt und hatte auch immer wieder die Ballwechsel diktiert. Die minutenlange Baisse von Djokovic zum Ende des ersten und zu Beginn des zweiten Satzes nutzte er. Seinen Kampfgeist verlor Tsitsipas nie. Aber zum Coup reichte es nicht ganz.

Djokovic kann nach seinem Gewinn auch der Australian Open bis auf weiteres sogar vom Grand Slam träumen, dem Gewinn aller vier großen Turniere im gleichen Kalenderjahr. Zum zweiten Mal nach 2016 gewann er die ersten beiden Majors der Saison. Das ist weder Federer noch Nadal jemals gelungen.


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