Großbritannien bewertet Blutspenden nach Infektionsrisiko

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Großbritannien hat seine Zulassungsbeschränkung zum Blutspenden für homosexuelle und bisexuelle Männer gelockert, teilte der staatliche Gesundheitsdienst (NHS) mit. Durch die am Montag zum Weltblutspendetag eingeführten Änderungen dürfen homo- und bisexuelle Männer ihr Blut spenden, auch wenn sie in den vergangenen drei Monaten ein aktives Sexualleben geführt haben, sofern es sich dabei um einen Partner handelt. In Österreich besteht eine vier-monatige Wartefrist.

Bisher waren homosexuelle Männer von Blutspenden ausgeschlossen, wenn sie zuvor Sex hatten. Alle potenziellen Spender - also auch Homo- und Bisexuelle - sollen weiter Fragen zu ihrem Sexualleben, ihrer Gesundheit und zurückliegenden Reisen beantworten müssen, erklärte der NHS. Anhand der Angaben werde eine individuelle Bewertung des Infektionsrisikos vorgenommen. Alle Blutspenden werden zudem untersucht, um die Weitergabe von Infektionskrankheiten wie Aids zu verhindern.

Der britische Gesundheitsminister Matt Hancock bezeichnete die Maßnahme als „fantastischen Schritt nach vorn, um Blutspenden einfacher, fairer und inklusiver zu machen.“ Der Gründer der Kampagne „Freedom to Donate“, Ethan Spibey, lobte die neue Regelung als „eine der fortschrittlichsten Blutspende-Richtlinien der Welt“.

Den Aidshilfe-Gruppen „National Aids Trust“ und „Terence Higgins Trust“ geht die Maßnahme hingegen nicht weit genug. Auch weitere Ausschlusskriterien müssten „dringend überprüft werden“, forderte Deborah Gold, Vorsitzende des „National Aids Trust“.

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Nach Angaben des „Terence Higgins Trust“ wurde ein „diskriminierendes“ Kriterium beibehalten, das besonders schwarze Menschen von einer Spende ausschließe: Wer einen Partner hat, der in Teilen der Welt sexuell aktiv war, wo die Krankheit Aids und das HI-Virus stark verbreitet sind, bleibt von der Spende ausgeschlossen. Dies betrifft viele Länder Afrikas.

In Schottland und Wales, wo Regionalregierungen über die Gesundheitspolitik bestimmen, wurde das Ausschlusskriterium laut „Terence Higgins Trust“ bereits entfernt. In England bestehe sie jedoch weiterhin.

In Österreich ist die Ausschlussfrist für Schwule und bisexuelle Männer vergangenes Jahr von zwölf auf vier Monate verkürzt worden. Laut Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) liege die „Entscheidung zur Zulassung von potenziellen Spendern in der Zuständigkeit und Verantwortung der durchführenden Blutspendeeinrichtung“. Dass Mückstein nun seine Verantwortung über die Zulassung von potenziellen Spendern in die Zuständigkeit und Verantwortung der Blutspendeeinrichtungen abschieben will, sei „absolut inakzeptabel“, so Yannick Shetty, NEOS-LGBTIQ-Sprecher.

„Genau bei so fahrlässigen Diskriminierungen wie dieser hat der Minister als Zuständiger in der Regierung sofort zu handeln, statt zuzuschauen und das Thema einfach weiter zu vertagen. Wir sehen leider, dass es mit dieser Regierung keine Antidiskriminierungspolitik geben wird - das ist gerade im Pride-Monat Juni ein besonders tragisches Zeichen“, bekräftigte SPÖ-LGBTIQ-Sprecher Mario Lindner.

Shetty will Mückstein dazu bewegen, zu handeln und die betreffende Verordnung anzupassen, um mehr potenzielle Blutspender zu gewinnen. „Es ist sehr bedauerlich, dass Österreich in LGBTIQ-Angelegenheiten immer ein Schlusslicht in Europa war. Es wäre allerdings zutiefst beschämend, wenn Österreich nicht einmal unter einem grünen Gesundheitsminister schafft, was in vielen Ländern bereits Realität ist. Und was in Zeiten eines Blut-Engpasses Leben retten kann“, sagte Shetty.


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