Hoffnung auf fast normalen Sommer nach Corona-Beschränkungen

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Sollte sich die Lage nicht sehr ändern, steht Österreich ein fast normaler Sommer bevor. Die Regierung hat am Donnerstag das Ende fast aller Corona-Maßnahmen im Juli angekündigt. Am 1. Juli wird mit der Nachtgastronomie der letzte noch geschlossene Bereich (inklusive Tanzen) aufgesperrt, die FFP2-Pflicht fällt - nur partiell ersetzt durch Mundnasenschutz - so gut wie überall, für Großveranstaltungen gilt nur noch 3G und für den Privatbereich gar keine Corona-Vorschrift mehr.

Die Neuinfektionen sind dank Impfung stark gesunken. Die Sieben-Tages-Inzidenz beträgt nur noch 13,6 pro 100.000 Einwohner, die Zahl der Corona-Spitalspatienten (aktuell 268) und auch der Intensivpatienten (87) geht beständig zurück. Die Corona-Ampel leuchtet diese Woche praktisch zur Gänze gelb-grün, zeigt also geringes Risiko an. Einzig Wien - wo freilich besonders viel (PCR-)getestet wird - steht laut dem Kommissions-Dokument an der Kippe zum mittleren Risiko.

Die viel ansteckendere Delta-Variante, die den Briten derzeit große Sorge macht, ist zwar auch in Österreich angekommen. Aber der Vizerektor der Meduni Wien, Oswald Wagner, deponierte dazu in der Pressekonferenz eine gute Nachricht: „Das Impfen hilft auch gegen die indische Variante.“ Die Lockerungen mit 1. Juli sind für Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) fix und durch eine etwaige Ausbreitung der Delta-Variante nicht gefährdet.

Schließlich sei man auf einem „ausgezeichneten Weg“ und die Situation besser als erwartet, konstatierte Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) Donnerstagfrüh bei einer Pressekonferenz. Immer mehr Menschen seien geimpft, Österreich sei zudem „Test-Weltmeister“. „Jetzt seid ihr dran“, versprach Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) den Jungen, die in den vergangenen Monaten auf so vieles verzichten hätten müssen.

Konkret fällt mit 1. Juli die Sperrstunde, ab dann ist unter Berücksichtigung der 3-G-Regel (geimpft, getestet, genesen) also auch Tanzen im Club und Trinken an der Bar wieder möglich. „Es kann getanzt, gefeiert, geheiratet werden“, frohlockte der Kanzler. Die Nachtlokale dürfen vorerst für drei Wochen aber nur 75 Prozent ihrer Gästekapazität nutzen. Ab 22. Juli gibt es dann keine Kapazitätsbeschränkung mehr. „Wir werden in Clubs feiern können“, freute sich auch Mückstein.

Dass (nicht nur beim Tanzen) die Abstandsregeln fallen, freute Tourismusministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) auch für die Gastronomie und Hotellerie. Zudem gibt es künftig - auch im Handel - keine Quadratmeter-Vorgabe mehr. Mit 22. Juli soll die Registrierungspflicht in der Gastronomie und bei Veranstaltungen enden. Der Verzicht auf diese Möglichkeit der Kontaktnachverfolgung soll nach APA-Informationen in der Koalition ein ziemlich umstrittener Punkt gewesen sein. Überhaupt feilschten ÖVP und Grüne bis zuletzt um die Öffnungsmaßnahmen, die Pressekonferenz begann denn auch mit etwas Verspätung.

Stark zurückgenommen wird die Maskenpflicht: Ab 1. Juli kann man auch indoor überall dort ganz auf Masken verzichten, wo „3G“ gilt - also in Gastronomie, Tourismus, Kultur- und Freizeitbetrieben (z.B. Fitnessstudios), Sportstätten, Schulen, bei Veranstaltungen (mit mehr als 100 Personen). In Öffis, Geschäften und Museen (wo „3G“ nicht gilt) reicht dann ein herkömmlicher Mund-Nasen-Schutz, ab 22. Juli muss auch dieser nur noch in Öffis und Läden für den täglichen Bedarf angelegt werden. Nur in Pflegeheimen und Spitälern bleibt die FFP2-Pflicht.

Auch die Auflagen für Großveranstaltungen werden fast ganz gestrichen, gab Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) erfreut bekannt, dass man ab 1. Juli Kunst, Kultur und Sport wieder in der gesamten Breite erleben werde können. Alle Veranstaltungen können dann wieder mit Sitz- oder Stehplätzen ohne Publikumsobergrenzen stattfinden, inklusive Gastronomieangebot. Die Indoormaskenpflicht fällt, nur der „3G“-Nachweis bleibt verpflichtend. Ab 100 Personen gilt jedoch eine Anzeigen-, und aber 500 Personen eine Bewilligungspflicht.

Auch im privaten Bereich fallen mit 1. Juli (wie schon angekündigt war) alle Kontakt- und Abstandsregeln.

Nach fast 500 Tagen seit dem ersten Corona-Lockdown (ab 16. März 2020) wird Österreich - wenn sich die Zahlen nicht stark verschlechtern - mit 22. Juli also zum fast „normalen Leben“ zurückkehren. Neben dem „3G“-Nachweis bleiben von den vielen Schutzmaßnahmen dann nur Mundnasenschutz in Öffis und Grundversorgungs-Geschäften sowie FFP2-Pflicht in Heimen und Spitälern übrig. Und der Appell der Regierung, sich immunisieren zu lassen bzw. weiterhin Vorsicht walten zu lassen, wenn man nicht geimpft ist.

Der FPÖ ist aber auch das noch zu viel: Der designierte Parteichef Herbert Kickl forderte, auch die „schikanöse 3G-Regel endlich ersatzlos zu streichen und das unselige Überwachungsregime“ zu beenden. Zu spät kommen die Lockerungen für NEOS-Gesundheitssprecher Gerald Loacker: „Die Wirtschaft braucht jetzt einen Neustart, jeder weitere Tag mit nicht mehr notwendigen Einschränkungen ist eine enorme und teure Belastung.“ Die Grüne Jugendsprecherin Barbara Neßler appellierte speziell an die Jugendlichen, die Impfung in Anspruch zu nehmen, damit „aus dem guten Sommer auch ein guter Herbst und Winter“ wird.

Dabei sieht Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) die Bundesregierung in der Pflicht: Sie dürfe sich nicht zurücklehnen, sondern müsse jetzt für genügend Impfstoff sorgen. Freudig begrüßt wurden die Öffnungen von Niederösterreichs Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (ÖVP) und dem oberösterreichischen Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) - mit Dank an alle, die mit „ihrer Disziplin und ihrem Durchhaltevermögen“ einen wichtigen Beitrag dazu geleistet hätten.


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