74. Filmfestspiele Cannes fiebern Neustart entgegen

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Auf den ersten Blick scheint es ein Festival zu werden, wie man es aus Cannes gewohnt ist. Auf dem roten Teppich werden Stars wie Jodie Foster, Sean Penn, Tilda Swinton und Adam Driver erwartet. Im Wettbewerb konkurrieren Regiegrößen wie Wes Anderson, François Ozon, Jacques Audiard und Paul Verhoeven. Trotzdem werden es keine gewöhnlichen Filmfestspiele werden. Schon die glamouröse Eröffnung am Dienstag (6. Juli) gilt als wichtiges Signal für den Neustart der Kinobranche.

Los geht es mit „Annette“ von Leos Carax. Der französische Regisseur konnte dafür Oscar-Preisträgerin Marion Cotillard und Adam Driver gewinnen, die in dem Drama ein Liebespaar spielen. Nach diesem Auftakt werden an der Croisette 23 weitere Werke im Wettbewerb ihre Premieren feiern, bevor die Jury unter Vorsitz des US-amerikanischen Regisseurs Spike Lee am 17. Juli die Goldene Palme für den besten Film vergibt. Eine Österreicherin wird an dieser Entscheidung mitbeteiligt sein: Zwar ist heuer kein heimischer Film im Wettbewerb, doch die Regisseurin Jessica Hausner, die mit ihrem Film „Little Joe“ 2019 den Preis für die Beste Schauspielerin (Emily Beecham) einheimsen konnte, wurde in die Jury berufen.

Hinzu kommen zahlreiche andere Beiträge, die es in die offizielle Auswahl geschafft haben - in diesem Jahr wurden wohl so viele Beiträge eingereicht, dass das Festival kurzerhand auch noch die neue Sektion „Cannes Premiere“ ausrief. Zwei österreichische (Ko-)Produktionen laufen in der renommierten Reihe „Un Certain Regard“: „Große Freiheit“ des 1976 in Kitzbühel geborenen Regisseurs Sebastian Meise mit Franz Rogowski und Georg Friedrich in den Hauptrollen, sowie „Moneyboys“, das Langfilmdebüt des Regisseurs C.B. Yi, der auch das Drehbuch geschrieben hat.

Die Promi-Gästeliste ist im Jahr nach der Corona-Pause besonders lang: Allein bei Wes Andersons Wettbewerbsbeitrag „The French Dispatch“ spielen - unter anderem - Jungstar Timothée Chalamet („Call Me by Your Name“), Frances McDormand, Bill Murray, Christoph Waltz und Owen Wilson mit. Sean Penn schickt das Vater-Tochter-Drama „Flag Day“ ins Palmenrennen, für das er selbst mit seiner Tochter Dylan Penn vor der Kamera stand. Die Französin Catherine Corsini wiederum, eine von vier Regisseurinnen im Wettbewerb, drehte „The Divide“ mit Valeria Bruni Tedeschi, der Schwester von Carla Bruni. Außer Konkurrenz stellt Tom McCarthy den Thriller „Stillwater“ mit Matt Damon vor, und Catherine Deneuve ist in „Peaceful“ von Emmanuelle Bercot zu sehen.

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Doch auch wenn sich die Filmbranche an der sonnenverwöhnten Côte d“Azur traditionell selbst feiert, so gehören auch ernste Töne zum Festival. In „Everything Went Fine“ etwa widmet sich François Ozon mit Sophie Marceau dem Thema aktive Sterbehilfe und Paul Verhoeven erzählt mit „Benedetta“ die wahre Geschichte einer lesbischen Nonne. Politisch könnte es ebenfalls werden: Der doppelte Oscar-Gewinner Asghar Farhadi („Nader und Simin – Eine Trennung“) drehte sein jüngstes Werk „A Hero“ erneut im Iran, während der in seiner Heimat verurteilte Russe Kirill Serebrennikow wahrscheinlich wieder nicht ausreisen und seinen Film „Petrov‘s Flu“ in Cannes vorstellen darf.

Spannend wird außerdem, wie diese - pandemiebedingt nicht im Spätfrühjahr, sondern im Sommer stattfindenden - Filmfestspiele in Zeiten von Corona durchgeführt werden. Impf- oder Testnachweise sind obligatorisch. Und Abstandhalten beim Schlangestehen wird angesichts des Rummels, der normalerweise rund um das Palais des Festivals stattfindet, sicher eine Herausforderung.

(S E R V I C E - https://www.festival-cannes.com)


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