Hamilton vor Spielberg zwei: „Nicht in Negativ-Blase kommen“

  • Artikel
  • Diskussion

Angesichts des immer größer werdenden Rückstandes auf Max Verstappen versucht Formel-1-Weltmeister Lewis Hamilton den Kopf hoch zu halten. Vor dem zweiten Rennen in Spielberg gab sich der Titelverteidiger trotz der bereits 18 Punkte Rückstand kämpferisch. „Wir arbeiten so hart wie möglich, um die Lücke schließen zu können“, sagte der Brite. „Wir wollen alles tun um zu verhindern, in eine Negativ-Blase zu kommen.“

Bei Mercedes herrscht derzeit etwas Verwirrung seit Teamchef Toto Wolff vergangenen Sonntag in Österreich erklärt hatte, dass man die Konzentration bereits voll auf das 2022er-Auto gerichtet habe. „Wir haben noch viele Rennen und wir müssen weiter Druck machen. Wir sind die Weltmeister“, forderte Hamilton postwendend und noch vor dem „Rematch“ am kommenden Sonntag (15.00 Uhr/ServusTV, ORF 1, Sky) erneut auf dem Red Bull Ring. Der Engländer will bekanntlich zum achten Mal Weltmeister und damit der erfolgreichste Fahrer in der Motorsport-Königsklasse werden.

Vor dem neunten von insgesamt 23 Saisonrennen liegt Hamilton allerdings schon klar hinter Red-Bull-Fahrer Verstappen, weil der Niederländer vier Saisonrennen und davon die letzten drei in Folge gewonnen hat. „Wenn wir das Auto nicht verbessern und uns den Rest des Jahres nicht entwickeln, geht das so weiter“, warnte Hamilton.

Wolff muss als Hautverantwortlicher freilich abwägen, wohin die Ressourcen fließen. 2022 wird auf ein völlig neues Autokonzept gewechselt. „Es ist wichtig, den richtigen Kompromiss zu finden“, so der Wiener. Zum achten Mal in Folge Weltmeister bei Fahrer und Konstrukteuren zu werden nütze nichts, wenn man dafür im nächsten Jahr im Nachteil sei.

10x Wanderausrüstung zu gewinnen

TT-ePaper gratis ausprobieren, der Gratiszeitraum endet nach 4 Wochen automatisch.

Ähnliches hatte sich 2013 vor der Einführung der Turbo-Hybridmotoren abgespielt und nun steht man womöglich vor einem ähnlichen Szenario. Er versuche, nicht zu besorgt zu sein, betonte Hamilton am Donnerstag bei der virtuellen Fahrer-PK in Spielberg. Er stelle die Ausrichtung des Teams zwar nicht infrage, habe aber Zweifel. Obwohl Technikdirektor James Allison erst kürzlich versichert hatte, dass sehr wohl noch Verbesserungen am aktuellen W12 stattfinden würden. Hamilton sieht die Besserungen aufgrund der Kürze der Zeit noch nicht für Österreich kommen. „Im Moment ist eher nichts geplant“, ist sich der Gewinner von 98 GP-Rennen sicher. „Ich hoffe, danach in Silverstone wird es besser.“

Bei Red Bull gab man sich beim Thema zurückhaltend. Er wisse, dass Wolff das Scheinwerferlicht gerne zum Ablenken benutze, meinte etwa Teamchef Christian Horner. Verstappen ist egal, ob Mercedes auf Zweckpessimismus macht. „Alles Gerede bringt doch nichts. Wir konzentrieren uns auf uns“, so der WM-Führende.

Vielmehr freut sich Verstappen auf die über 20.000 der 100.000 erwarteten Fans aus Holland. „Wir haben die Zuschauer wirklich vermisst. Ich bin total glücklich, dass so viele Niederländer hier sein werden. Sie sind ganz sicher eine große Unterstützung für mich.“

Trotz der Leichtigkeit seines Sieges vergangenen Sonntag dürfe man sich bei Red Bull nicht zurücklehnen, fordert der Niederländer. „Die Saison ist noch lange. Wir müssen fokussiert bleiben und den Kopf klar behalten.“ Das zweite Rennen werde sicher eine größere Herausforderung als das von letzter Woche. „Wir müssen also top vorbereitet sein.“

Beim zweiten Rennen innerhalb einer Woche auf dem Red Bull Ring werden zudem die Umstände andere sein. Nach der großen Hitze winken tiefere Temperaturen und womöglich auch Regen. Dazu kommen weichere Reifen. Vor allem aber wird es viel mehr Zuschauer an der Rennstrecke geben. Letzteres hält Red Bulls Motorsport-Berater Helmut Marko für den größten Red-Bull-Bonus. „Wenn so viel Holländer da sind, fährt der Max gleich noch eine Sekunde schneller“, scherzte der Österreicher.

Verstappen hatte bei seinem jüngsten Sieg auf der Ziellinie stark für einen „Burnout“ abgebremst und dafür eine Verwarnung erhalten. Das hätte auch mit einer härteren Strafe enden können. „Ich habe keine Gefahr gesehen. Aber ich werde es nicht mehr tun“, versprach der Pilot.

Formel-1-Rückkehrer Fernando Alonso hält die aktuelle WM jedenfalls dank der Performance von Red Bull Racing für „viel interessanter“ als die vergangene(n). „Es ist viel mehr Adrenalin drin, was eine gute Sache ist“, begrüßt der zweifache Weltmeister aus Spanien die Wachablöse von Mercedes durch Red Bull. Auch Alonso bleibt aber insgesamt vorsichtig. „Favorit derzeit ist sicherlich Max. Aber die Dinge können sich in der Formel 1 schnell ändern.“


Kommentieren


Schlagworte