Präsident von Haiti erschossen

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Der haitianische Präsident Jovenel Moïse ist nach Regierungsangaben ermordet worden. Moïse sei in der Nacht auf Mittwoch in seinem Haus von einem Mordkommando getötet worden, teilte der scheidende Regierungschef Claude Joseph am Mittwoch mit. Die Frau des Präsidenten wurde bei dem Angriff demnach verletzt. Joseph erklärte, er habe nun die Verantwortung für die Führung des Landes. Nach einem Krisentreffen der Regierung verkündete er den Ausnahmezustand.

„Der Präsident wurde in seinem Haus von Ausländern ermordet, die Englisch und Spanisch sprachen“, sagte er. Er sprach von einer „unmenschlichen und barbarischen“ Tat. Joseph rief die Bevölkerung zur Ruhe auf und kündigte an, Polizei und Armee würden für die Einhaltung der öffentlichen Ordnung sorgen. Allerdings waren in weiten Teilen der Hauptstadt Port-au-Prince Schüsse zu hören.

Die Hintergründe waren zunächst unklar, ebenso wie der Gesundheitszustand der Ehefrau des Präsidenten. Die haitianische Botschaft in den USA teilte jedoch mit, dass sie zur Behandlung ins amerikanische Miami geflogen werde. „Obwohl noch Details herauskommen, kann zum jetzigen Zeitpunkt bestätigt werden, dass es sich um einen wohl koordinierten Angriff durch eine gut ausgebildete und schwer bewaffnete Gruppe handelte“, hieß es von der haitianischen Botschaft. Botschafter Bocchit Edmond, sagte weiter, dass sich die Angreifer als US-Beamte verkleidet hätten. „Sie waren das aber sicher nicht“, so der Diplomat, der hinzufügte, dass das Land US-Sicherheitsunterstützung in der aktuellen Krise begrüßen würde.

US-Präsident Joe Biden verurteilte die Tötung seines haitischen Kollegen als „schändlichen“ Akt. Er sei „schockiert und traurig“, erklärte Biden am Mittwoch. Die USA stünden bereit, Haiti weiter dabei zu unterstützen, in dem Land auf Frieden und Sicherheit hinzuarbeiten. „Wir brauchen viel mehr Informationen, aber es ist sehr bedenklich in Bezug auf die Lage in Haiti“, sagte Biden wenig später anwesenden Journalisten zufolge im Garten des Weißen Hauses.

UNO-Generalsekretär António Guterres verlangte eine Aufklärung der Tat. „Die Täter dieses Verbrechens müssen vor Gericht gestellt werden“, ließ Guterres über seinen Sprecher Stephane Dujarric mitteilen. Der Generalsekretär fordere alle Haitianer auf, die verfassungsmäßige Ordnung zu wahren und vereint zu bleiben. Die Vereinten Nationen würden Regierung und Volk von Haiti weiterhin zur Seite stehen. Diplomatenangaben sollte der UNO-Sicherheitsrat schon am Donnerstag in einer Dringlichkeitssitzung über die Lage in dem Karibikstaat beraten.

Der Mordanschlag wurde auch vom österreichischen Außenministerium „nachdrücklich“ verurteilt. „Politische Gewalt kann niemals die Antwort sein. Die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen und alle sozialen und politischen Fragen in einem einschließenden Dialog angesprochen werden“, forderte das Außenamt auf Twitter.

In sozialen Medien wurden Videos verbreitet, die um die Präsidentenresidenz im wohlhabenden Vorort Pétion-Ville entstanden sein sollen. In einem Video soll einer der Angreifer auf Englisch rufen, es handle sich um einen Einsatz der US-Antidrogenbehörde DEA. Nach Medienberichten schloss die spanischsprachige Dominikanische Republik, die sich die Insel Hispaniola mit Haiti teilt, ihre Grenze zu dem Nachbarland.

Der 53-jährige frühere Geschäftsmann Moïse war 2016 zum Präsidenten gewählt worden und war das Amt im Februar 2017 angetreten. Vor seinem Tod hatte er Haiti per Dekret regiert, nachdem eine Parlamentswahl unter anderem wegen Protesten gegen ihn verschoben worden war. Die Opposition warf ihm Korruption und den Aufbau einer Diktatur vor. Moïse hatte die Anschuldigungen stets bestritten und auf eine Verfassungsreform gedrängt, mit der er nach eigenen Angaben für mehr politische Stabilität sorgen wollte.

Moïse hatte den Premierminister des Landes innerhalb von vier Jahren sieben Mal ausgewechselt. Am Montag gab er die Ernennung des neuen Regierungschefs Ariel Henry bekannt, der Claude Joseph nach nur drei Monaten im Amt ablösen sollte.

Die Tat ereignete sich inmitten einer wachsenden Spirale der Gewalt im Zuge zunehmender Bandenkriminalität und einer verschärften humanitären Krise in dem verarmten Karibikstaat, der unter einer schweren Nahrungsmittelknappheit leidet. Haiti ist das ärmste Land, das zum amerikanischen Kontinent gehört. Insbesondere Entführungen und Lösegeldforderungen krimineller Banden sorgen für große Verunsicherung in der Bevölkerung.


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