Nach „Parlamentscluster“ 39 Personen in Quarantäne

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Der Coronacluster rund um den Ibiza-U-Ausschuss im Parlament ist mit Stand Donnerstag auf neun Infizierte angewachsen, darunter die Abgeordneten Christian Hafenecker (FPÖ), Stephanie Krisper (NEOS) und David Stögmüller (Grüne). 30 Personen mit Hoch-Risiko-Exposition (K1) sind ebenfalls in Quarantäne, 300 Personen wurden als K2-Personen mit Niedrig-Risiko-Exposition eingestuft, bestätigten die Wiener Gesundheitsbehörden der APA am Donnerstag einen ORF-Bericht.

Die K1-Kontaktpersonen müssen nun für 14 Tage in Quarantäne, darunter auch geimpfte Personen. Hintergrund ist eine Verschärfung der Vorgaben bei der Kontaktnachverfolgung durch das Gesundheitsministerium für jene, die erst eine Impfdosis erhalten haben (nur beim Vakzin von Johnson & Johnson reicht ein Stich für die Vollimmunisierung). Neben Genesenen können die Behörden grundsätzlich auch Geimpfte ab dem 22. Tag nach dem Erststich von K1 auf die Kategorie K2 herabstufen. Bei Verdacht auf die sich rasch ausbreitende Delta-Variante gilt diese Regelung nun für Teilimmunisierte allerdings nicht mehr, das bedeutet auch für diese Gruppe Quarantäne statt der bei K1-Personen vorgesehenen freiwilligen Kontaktreduktion. Und Hafenecker, dessen Infektion als erste des Parlamentsclusters bekannt geworden war, hat sich mit ebenjener Delta-Variante des Corinavirus infiziert, wie er am Donnerstag über Twitter öffentlich machte.

Die große Zahl der K2-Kontaktpersonen ist vor allem darauf zurückzuführen, dass der Grünen-Abgeordnete Stögmüller im Contact Tracing alle 230 Teilnehmer und Teilnehmerinnen der Landesversammlung der oberösterreichischen Grünen vom vergangenen Freitag angegeben hat, wie es im „Morgenjournal“ hieß.

Noch nicht geklärt ist übrigens die Frage, welche Person beim Parlamentscluster der „Fall null“ war, bei dem die Infektionskette begonnen hat. Diese Frage versuche man im Zuge des Contact Tracings zu klären, wird bei den Wiener Gesundheitsbehörden betont. Das werde allerdings nicht einfach werden.

Bei der gestrigen Nationalratssitzung hatten mehrere Vertreter der ÖVP Hafenecker dafür kritisiert, dass er seine Infektion dem Parlament erst nach drei Tagen gemeldet hatte. In der FPÖ wird der implizite Vorwurf, Hafenecker habe das Coronavirus ins Hohe Haus eingeschleppt, vehement zurückgewiesen. Hafeneckers Ct-Wert habe Donnerstagfrüh 34 betragen, eine Übertragung sei dabei extrem unwahrscheinlich. Im „Kurier“ bestätigt Virologe Norbert Nowotny, dass Corona-Infizierte ab einem Ct-Wert über 30 grundsätzlich nicht mehr infektiös sind. Aber: Zu Beginn einer Infektion könne die Virenlast rasch steigen. Hafenecker, der sich laut dem Bericht regelmäßig testen lasse und am Mittwoch bei einem Antigentest noch negativ gewesen sei, könnte demnach Donnerstagfrüh am Anfang einer Infektion gestanden und am Abend sehr wohl infektiös gewesen sein.


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