Südafrikas Präsident besucht Unruhe-Provinz KwaZulu-Natal

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Vor dem Hintergrund der seit Tagen andauernden Unruhen in Südafrika reist Präsident Cyril Ramaphosa am Freitag in die besonders betroffene Provinz KwaZulu-Natal. Er werde sich einen Überblick über „die Auswirkungen der jüngsten Gewalt und den Einsatz der Sicherheitskräfte“ verschaffen, teilte sein Büro mit. In der südöstlichen Provinz gab es auch in der Nacht auf Freitag Berichte über vereinzelte Übergriffe. Unterdessen verschärften sich die Versorgungsengpässe.

Ein Problem sei die Sperrung wichtiger Transportrouten, warnten Verbraucherorganisationen am Freitag. Selbst das Mehl für die Bäckereien werde knapp. Raffinerie-Schließungen in Durban im Südosten des Landes führten zu langen Schlangen vor den wenigen geöffneten Tankstellen. Die Regierung warnte vor Hamsterkäufen und erließ vorübergehend ein Verbot, Benzin in Kanistern zu kaufen.

Da in KwaZulu-Natal auch Drogerien und Kliniken geplündert wurden, sind auch Medikamente knapp. Nach Informationen der Molkerei-Organisation Sampro müssen Landwirte ihre Milch vernichten, da kein Transport von den Ställen möglich ist. Nach bisher unbestätigten Medien-Berichten wurden einige Farmen geplündert.

Bei den Ausschreitungen und Plünderungen sind bisher nach offiziellen Angaben mindestens 117 Menschen getötet worden - davon 91 in KwaZulu-Natal. Mehr als 2.000 Menschen wurden festgenommen. Insbesondere in der Wirtschaftsmetropole Johannesburg und in KwaZulu-Natal waren in den vergangenen Tagen Läden und Lagerhäuser geplündert und in Brand gesteckt worden. Kurz vor dem Eintreffen von Präsident Ramaphosa gab es auch in der Nacht auf Freitag Berichte über vereinzelte Übergriffe.

Am Mittwoch hatte die Regierung die Einberufung von rund 25.000 Soldaten zur Eindämmung der Unruhen angekündigt - zehnmal mehr als ursprünglich vorgesehen. Es handelt sich dabei um einen der größten Militäreinsätze seit Bestehen eines demokratischen Südafrikas. Die Regierung mobilisierte das Militär in den betroffenen Provinzen KwaZulu-Natal sowie im Ballungsgebiet um die Großstädte Johannesburg und Pretoria, nachdem die Polizei den Plünderern zahlenmäßig weit unterlegen war. Während die Lage in Johannesburg inzwischen nach Regierungsangaben wieder „relativ ruhig“ ist, ist die Situation in KwaZulu-Natal weiterhin „instabil“.

Auslöser der Proteste war die Inhaftierung von Ex-Präsident Jacob Zuma. Der langjährige Präsident war Ende Juni vom Verfassungsgericht wegen Missachtung der Justiz zu einer 15-monatigen Haftstrafe verurteilt worden, die er vergangene Woche antrat. Während viele Südafrikaner die Inhaftierung des Ex-Staatschefs als Erfolg für die Rechtsstaatlichkeit des Landes feierten, gingen Unterstützer Zumas aus Protest auf die Straße.


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