Familie, Freunde müssen diesmal bei Olympia daheim bleiben

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Die einen haben Kinder und Partner zu Hause lassen müssen, andere hätten sich als Olympia-Debütanten gerne Eltern oder Freunde als Unterstützer vor Ort gewünscht. Die japanische Regierung erlaubt es in der Corona-Pandemie ausländischen Gästen nicht, zu den Spielen nach Tokio zu kommen. Die durch die Einschränkungen schon große Belastung der Aktiven wird durch diese Isoliertheit noch verstärkt. Wer aber den Trainer Papa oder den Caddy Mama nennen darf, ist klar im Vorteil.

Hart trifft es etwa Jungpapa Thomas Zajac. Seine erst ein paar Wochen alte Tochter Liora hat er bereits zum Segeln auf dem Wolfgangsee mitgenommen. Die Fahrt im Soling - die Klasse, die sein Vater bei Olympia 1980 segelte - war für den Rio-Dritten eine Premiere und etwas ganz Besonderes. „Sie war relaxt und hat im Brustgurt die meiste Zeit geschlafen“, sagte der 35-Jährige. Mit den Frühschichten in der Babybetreuung hatte er schon daheim die Zeitumstellung auf Japan begonnen.

Triathlet Lukas Hollaus wurde vor knapp drei Monaten nochmals Vater. „Ich habe eine kleine Luisa daheim, drei Kinder warten auf mich“, sagte der Salzburger. „Ich freue mich auf die Reise, aber es wird sicher auch wieder schön, zurückzukommen.“ Seinen Kollegen Luis Knabl hätten ursprünglich 15 bis 20 Personen begleitet. „Meine Eltern haben die Reise schon zweimal gebucht gehabt und zweimal stornieren müssen. Meine Mama hatte auch eine Wanderung auf den Mount Fuji geplant“, berichtete er.

Schütze Martin Strempfl hatte mit seinem Sport schon abgeschlossen gehabt. Doch dann brachte die Vaterschaft von Jonathan und Simon eine Wende, u.a. hat er für die Familie ein Haus gebaut. „Das alles hat mich so befreit im Kopf, dass ich plötzlich mit weniger Training nochmals einen richtigen Leistungsschritt gemacht habe“, erzählte der Steirer und verriet, dass im Oktober mit Zwillingsmädchen nochmals Nachwuchs kommt. Vorerst muss er von seiner anwachsenden Familie aber Abschied nehmen.

Nicht so bei Marlene Kahler, bzw. nicht so ganz. Denn ihre Mutter wird am Montag mit der 20-Jährigen im Flieger nach Japan mit an Bord sein. Wie das geht? „Meine Mama ist Flugbegleiterin bei den Austrian Airlines. Sie hat sich den Flug gewünscht und bekommen. Das ist dann natürlich schon eine Ehre, wenn die Mama mitfliegt.“ Schwimm-Kollege Simon Bucher hat japanische Verwandte und hofft auf eine Chance, seine Großtante und deren Kinder zu sehen. Ob der Restriktionen wird das wohl schwierig.

Dressurreiter Florian Bacher wiederum muss einige zurücklassen, seine Ehefrau betreut während seiner Abwesenheit in Margarethen am Moos zwei Kinder, die eigenen sechs Pferde und weitere Beritt- und Kundenpferde. „Meine Frau unterstützt mich total, ohne würde es nicht gehen.“

Alle Unterstützung von ihren Vätern haben Kanutin Ana Roxana Lehaci (mit Partnerin Viktoria Schwarz), Gewichtheberin Sarah Fischer, Schützin Sylvia Steiner und Vielseitigkeitsreiterin Lea Siegl, sind Vasile Lehaci, Ewald Fischer, Franz Steiner und Harald Siegl doch als Coaches vor Ort dabei. Golferin Christine Wolf hat ihre Mama Andrea Wolf als Caddie sogar im Bewerb an ihrer Seite.

Einen Motivationsschub vor der Abreise am (heutigen) Montag holte sich Oliver Marach. Der Tennis-Profi erhielt beim Training mit Doppel-Partner Philipp Oswald in Dornbirn Gesellschaft von seiner mit ihm in Panama lebenden Frau und den beiden Töchtern. „Das war ein Überraschungsbesuch. Ich habe die Kinder heuer erst sechs Tage gesehen“, sagte der Steirer. Nun wurde gleich dreimal Geburtstag gefeiert. Am 9. Juli hat Marachs ältere Tochter, am 13. seine Frau Geburtstag und am 16. wurde er selbst 41 Jahre alt.

Je höher das Sportleralter von Vätern und Müttern ist, desto schwieriger scheint die Zeit ohne Familie. Bei Liu Jia kam noch dazu, dass sie mit ihrer Anna am vergangenen Samstag nicht deren 10. Geburtstag feiern konnte. Ab dem Abflug ins Trainingslager nach Fuchu ist die 39-Jährige einen ganzen Monat nicht daheim. „Das ist schon lang, der Abschied ist der schwierigste Moment“, sagte „Susi“ vor der Abreise. „Aber wir können Videokonferenz machen und das macht das Leben ein bisschen leichter.“

Tischtennis-Kollege und „Team-Oldie“ Robert Gardos hatte für seine Frau und die drei Kinder in der Corona-Zeit so viel Zeit wie schon lange nicht. „Es ist umso schwerer, wegzufahren. Mein größtes Problem ist, dass die Turniere durch die Coronakrise drei Wochen andauern, und das ist hart. Ich habe mein Limit bei vier, fünf Tagen. Die Kinder fehlen mir schon sehr, sehr. Mein großer Sohn hat mir sogar Druck gegeben: Papa, du musst das Beste von dir rausholen, wenn du schon drei Wochen wegfährst.“


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