Rapid will nach CL-Quali-Out „nicht alles verteufeln“

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Der Traum von der Fußball-Champions-League früh geplatzt, eine Europacup-Gruppenphase in die Ferne gerückt: Für Rapid ist Prag keine Reise wert gewesen. Mit einer verdienten 0:2-Niederlage bei Sparta gaben die Wiener am Mittwoch den 2:1-Vorsprung aus dem Zweitrunden-Qualifikations-Hinspiel und damit auch fixe Millioneneinnahmen noch aus der Hand. Nach dem verpatzten Meisterschafts-Heimauftakt gegen den TSV Hartberg (0:2) am Samstag setzte es also den nächsten Rückschlag.

Weitere sind nicht ausgeschlossen, wartet doch am Samstag mit dem Gastspiel beim LASK ein harter Liga-Brocken und am Donnerstag im „Trostbewerb“ Europa League in der 3. Quali-Runde mit Anorthosis Famagusta auch eine schwierige Aufgabe. Rapid-Trainer Dietmar Kühbauer hat aber keine Angst, dass sich der Fehlstart auf die weiteren Leistungen negativ auswirken könnte. „Wenn man so denken würde, kann es möglicherweise passieren. Ich denke anders, bin kein Journalist, sondern Trainer. Wenn ich nicht an die Mannschaft glauben würde, wäre es schlecht“, sagte der Burgenländer.

Man könne das Ausscheiden zwar nicht schönreden, habe die Partie aber mit blöden Umständen verloren. „Wir werden daher nicht anfangen, den Kopf in den Sand zu stecken und alles verteufeln. Ich werde nicht eine Saison nach drei Spielen schlechtreden, bevor sie noch richtig begonnen hat“, verlautete der Rapid-Coach. Zustimmung bekam er da von Tormann Richard Strebinger: „So was ist immer schmerzhaft und sehr bitter, aber es geht weiter.“

Das Unheil hatte schon am Spieltag in der Früh durch große personelle Probleme seinen Lauf genommen. Der als Ersatz für den verletzten Srdjan Grahovac vorgesehene Robert Ljubicic musste wegen einer Erkrankung passen, zudem verhinderten Rückenprobleme bei Maximilian Hofmann und Magen-Darm-Probleme bei Christoph Knasmüllner einen Einsatz in der Startelf. „Es war am Vormittag sicher keine schöne Situation. Die drei waren vor einer Woche noch die besten Spieler, das gibt dir schon einen Schlag“, betonte Kühbauer.

Kapitän Christopher Dibon wollte das nach seinem Comeback als Ausrede nicht gelten lassen. „Natürlich ist es immer bitter, wenn drei wichtige Spieler nicht an Bord sind, aber wir haben einen großen Kader, da müssen andere in die Bresche springen“, sagte der Abwehrspieler. Die Qualität reichte nicht. Hinzu kam ein ungünstiger Spielverlauf samt umstrittenem Elfmeter (16.). Strebinger hatte den Ball geklärt, dabei auch Jakub Pesek getroffen. Bei den Akteuren schieden sich die Geister. „In meinen Augen ist das kein Elfmeter, sonst kannst du als Tormann gar nicht rauskommen im Fünfer. Es ist bitter“, gab Strebinger zu Protokoll. Pesek schilderte die Situation anders: „Es war eindeutig ein Foul. Ich war früher am Ball, habe den Verteidiger übersprungen, der Goalie ist zu spät gekommen und hat mich getroffen.“

Video Assistent Referee gibt es in der Bewerbsphase keinen. Da die Auswärtstorregel abgeschafft wurde, deutete in der Folge vieles auf eine Verlängerung hin, die Pesek mit seinem Tor in der 81. Minute verhinderte. Das nicht unverdient, da die Tschechen davor einen Lattenschuss durch Adam Hlozek (65.) verzeichnet hatten. Rapid wurde nur bei einer Chance im Finish von Dejan Petrovic gefährlich. „Nach vorne war das nicht, was man braucht. Man hat deutlich gemerkt, dass uns Spieler fehlen, die speziell in der Offensive bessere Lösungen anbieten können“, war sich Kühbauer bewusst.

Das war nicht das einzige Problem. Kühbauer ärgerte sich wie auch schon zuletzt über die Leistung in der ersten Hälfte, der erhoffte Weckruf zur rechten Zeit blieb aus. „Wir haben es erste Halbzeit nicht so gemacht, wie man es machen sollte in einem internationalem Spiel“, so Kühbauer. Eine Passquote von 51 Prozent war aussagekräftig, die Gäste konnten kaum Bälle sichern, es fehlte die Entlastung.

Nach der Pause sah Kühbauer wie zuletzt eine Steigerung, der Hinspiel-Sieg war trotzdem erstmals seit 1990 kein gutes Omen. „Nachträglich gesehen war Sparta um das eine Tor besser, das ist enttäuschend.“ Auch die Spieler waren geknickt. „Wir haben zu wenig Fußball gespielt, es schmerzt sehr“, meinte Kevin Wimmer. Bei einem Aufstieg hätte man abgesehen vom Duell mit AS Monaco zumindest die Gruppenphase der Europa League, in der mehr als 3,6 Millionen Euro Startgeld winken, sicher gehabt. Nun muss man auf dem Weg dorthin noch zwei Teams ausschalten.

Bereits am Donnerstag ist Famagusta in Wien zu Gast, das Rückspiel folgt eine Woche später. Priorität hat allerdings vorerst die Liga.


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