Oper „Upload“ glückte bei den Bregenzer Festspielen

  • Artikel
  • Diskussion

Die szenische Uraufführung von Michel van der Aas Filmoper „Upload“ am Donnerstag bei den Bregenzer Festspielen bescherte den Besuchern auf der Werkstattbühne einen musikalisch mitreißenden Opernabend. Das effektvolle Werk überzeugte durch ein perfektes Zusammenspiel von Bild, Musik und Schauspiel. Inhaltlich konnte das Stück der Aktualität des Themas - der Frage nach dem Menschsein in der digitalen Welt - nicht gerecht werden. Das Publikum spendete lang anhaltenden Applaus.

Was wäre, wenn unser Bewusstsein den physischen Tod überlebte? In „Upload“, dem neuen Werk von Michel van der Aa, wird dieses Szenario durchgespielt. Ein namenloser Vater (Bariton Roderick Williams), der nach dem Tod seiner Frau in eine Depression fällt, verabschiedet sich von der physischen Existenz und überrascht seine Tochter (Sopranistin Julia Bullock) mit einem neuen digitalen Ich. Dieser „Upload“ - so versprechen es junge, gut aussehende Wissenschafterinnen - kann den traumatischen Schmerz des Verlassenwerdens hinter sich lassen und der Tochter in optimierter Ausgabe weiterhin Gesellschaft leisten. Diese ist jedoch alles andere als erfreut, und es beginnt ein Streitgespräch zwischen der Frau aus Fleisch und Blut und dem flimmernden Abbild ihres Vaters.

Michel van der Aa hat Musik und Text geschrieben und die Filmoper inszeniert. Die Stärke von „Upload“ ist das perfekte Zusammenspiel der verschiedenen Disziplinen. Die Interaktion zwischen den Bildern auf der Leinwand und den Sängern auf der Bühne, das Zusammenspiel zwischen analoger und digitaler Musik, der Übergang von Gesang in die zarten Klänge des Ensembles gelingen so gut, dass die einzelnen Elemente als solche gar nicht mehr erkennbar sind. Die Form ist dem Inhalt allerdings weit voraus. Denn während Film, Musik, Schauspiel und Gesang in ein bild- und tongewaltiges Ganzes fließen, bleibt die Geschichte in einer antiquierten Entweder-Oder-Logik stecken: der physische, sinnliche Mensch oder eben der digitale, der Krankheit, Leid und Tod überwindet. Die Geschichte, die - wenn auch in etwas anderer Form - aus einer Science Fiction-Serie der 1960er Jahre stammen könnte, übersieht, dass die digitale Identität längst Realität und von der analogen kaum trennbar ist.

Der Opernabend gelingt aber zweifellos, denn die hervorragende Leistung der beiden Sänger und insbesondere des Ensembles Musikfabrik für zeitgenössische Musik unter der Leitung von Otto Tausk lassen die flache Geschichte in den Hintergrund rücken. Ein musikalischer Spannungsbogen zieht sich von der ersten bis zur letzten Minute, was neben der meisterhaften Umsetzung sicher auch der Komposition geschuldet ist. Die Musiker lassen die Zuschauer also mit einem spannungsgeladenen Opernabend zurück. Diese brachten ihre Begeisterung mit lang anhaltendem Applaus und Bravo-Rufen zum Ausdruck. Eine zweite Aufführung von „Upload“ gibt es heute, Freitag, den 30. Juli.

)


Kommentieren


Schlagworte