Gefeierter Festspiel-Liederabend mit Goerne und Hinterhäuser

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Mittlerweile seit ein paar Jahren hat sich die Tradition ins Festspielprogramm eingeschlichen, dass Bariton Matthias Goerne, nebst unterschiedlicher anderer Verpflichtungen, einen Liederabend gibt. Dabei meist an seiner Seite, der Intendant persönlich: Markus Hinterhäuser. Auch am Montagabend saß er ihm bei Schuberts „Schöner Müllerin“ im Haus für Mozart an der Seite.

Während sich Goerne im vergangenen Jahr gemeinsam mit Jan Lisiecki Beethovens Liedwerk widmete, stand er mit Hinterhäuser zuletzt 2019 mit Schuberts „Winterreise“ im Großen Festspielhaus und vor der Kulisse der eigens von William Kentridge für das Programm angefertigter Videoanimationen.

Während die Lieder in der „Winterreise“ bereits durchkomponiert sind, sind im Vorgängerzyklus „Die schöne Müllerin“ noch alle Strophen gleich und entsprechend fiel in diesem Jahr auch die Kulisse einfacher aus. Man ließ schlicht und ergreifend die Holzdiffusoren auf der Bühne stehen. Volle Konzentration also auf Sänger und Pianist.

Bei Goernes darstellender Darbietung wäre dies allerdings auch überflüssig gewesen. Während der Sänger in Schuberts Vertonungen der Gedichte von Wilhelm Müller meist die Rolle des jungen Müllersburschen einnimmt, der um die Gunst der Müllerstochter buhlt, machte Goerne aus diesem einen jungen, vor Kraft strotzenden Mann, der am Ende zwar - so wollte es Müller - das Herz der Dame trotzdem an den Jäger verliert, aber definitiv nicht kampflos.

Jene Kraft in Goernes schwerem Bariton machte es dem Publikum allerdings auch streckenweise schwer, zwischen all dem Grollen den Text leicht zu verstehen. Dass in „Ungeduld“ die Müllerstochter „nichts von all dem bangen Treiben“ merkt, war in Goernes Interpretation unvorstellbar. Doch auch den stärksten Mann schwächt irgendwann der lange Kampf um das Herz der Angebeteten und so fand Goerne mit der Zeit immer mehr zur Ruhe, in der er schließlich zeigte, dass auch der größte Macho ein weiches und verletzliches Herz haben kann.

Nicht ganz unbeteiligt an dieser Entwicklung war Markus Hinterhäuser am Steinway, der seinem Sänger zurückhaltend wie ein Leibwächter folgte, jedoch jeder Zeit bereit zum Eingriff stand. Auch wenn Schubert jede Strophe identisch komponiert hat, so klang keine der anderen gleich. Und so wie Hinterhäuser Goerne den Vortritt in den Strophen ließ, so ließ der Sänger ihn auch seinem Pianisten in den Zwischenspielen. Dieses eingespielte Team hatte sich am Ende des Abends den großen Applaus, zu dem auch einige Zuschauer im Publikum aufstanden, redlich verdient. Bleibt zu hoffen, dass die beiden auch im nächsten Festspielsommer diese Liederabendtradition weiterführen.


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