Friedrich Cerha in Salzburg nachträglich zum 95. geehrt

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Zum 70. Geburtstag kam Friedrich Cerhas „Spiegel I-VII“ 1996 erstmals bei den Salzburger Festspielen komplett zur Aufführung. Am Samstagabend ehrte das Festival ihn nachträglich zum 95. Geburtstag am 17. Februar erneut mit einer Aufführung des ganzen Werkes durch das RSO unter der Leitung von Ingo Metzmacher in der Felsenreitschule.

Seine Neugierde, die Offenheit und die Ablehnung aller unreflektierten Dogmen bewundere man sehr, schreibt das Direktorium im Programm in seinem Geburtstagsgrußwort an Cerha, und trifft mit seiner Beschreibung nicht nur den Komponisten, sondern auch dessen Werk „Spiegel I-VII“ genau. Vor 25 Jahren dirigierte er noch selbst, ebenfalls in der Felsenreitschule, und konnte sich den Jubel des Publikums selbst abholen, nun tat es Metzmacher, der am Schluss des gut eineinhalbstündigen Konzertes dankbar die Partitur in die Menge hielt.

Wem in den vorderen Reihen ein Blick in die Noten gelang, der erkannte: in diesem Werk schieben sich die Töne durch die einzelnen Instrumente hin und her. Weniger Konzert als Klangerlebnis sind die sieben Sätze, die mal donnernd, mal flüsternd oder auch wie Sirenen klingen. Das ORF Radio-Symphonieorchester Wien war 1972 schon Geburtshelfer bei der Uraufführung der „Spiegel“ in Graz und Cerha seit der Gründung des Orchesters als Komponist und Dirigent ein ständiger Begleiter. Dieses tiefsitzende Verständnis für die Klangflächen äußerte sich auch am Samstag in der Präzision des Orchesters, das im Einklang mit den von Metzmacher gesteuerten Tonbandeinspielungen Töne und Themen spiegelte und in den verschiedensten Ecken der Felsenreitschule klingen ließ.

Eigentlich skizzierte Cerha die „Spiegel“ als szenisches Bühnenwerk. Doch szenischer Unterstützung bedurfte es in diesem Konzert keinesfalls, die Eindrücke und Fantasien des dramatischen Mixes aus Einzel- und Orchesterklang überließen Ingo Metzmacher und das RSO ganz dem Publikum, dass alle Beteiligten anschließend mit großem Applaus feierte.

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