Erneut Medienvertreter in Afghanistan getötet

  • Artikel
  • Diskussion

Mutmaßliche Taliban-Kämpfer haben nach Angaben von Behördenvertretern den Leiter eines Radiosenders in Kabul getötet. Tufan Omar sei am Sonntag in der afghanischen Hauptstadt gezielt umgebracht worden. In der südlichen Provinz Helmand sei zudem ein Lokaljournalist von den Taliban entführt worden. Ein Taliban-Sprecher sagte am Montag, ihm lägen zu beiden Fällen keine Informationen vor. Die Zahl der Binnenflüchtlinge stieg indes massiv an.

Medienvertreter sehen sich in Afghanistan immer wieder Angriffen ausgesetzt. Nach Angaben der Bürgerrechtsgruppe NAI, deren Mitglied der getötete Radiomanager war, wurden allein in diesem Jahr 30 Journalisten und Medienmitarbeiter von militanten Gruppen getötet, verletzt oder verschleppt. Mehrere afghanische Nachrichtenanbieter haben die USA aufgefordert, afghanischen Medienschaffenden Zuflucht zu gebieten.

Seit dem Beginn des Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan bringen die Taliban immer mehr Gebiete unter ihre Kontrolle und gehen mit Gewalt gegen ihre Kritiker und Gegner vor. Inzwischen haben sie mehr als 160 der rund 400 Bezirke erobert, mehrere Grenzübergänge und Teile wichtiger Überlandstraßen. Seit Freitag brachten sie fünf Provinzhauptstädte unter ihre Kontrolle, darunter die Großstadt Kunduz im Norden.

Immer mehr Menschen befinden sich wegen der prekären Sicherheitslage im Land auf der Flucht. Die Zahl der Binnenflüchtlinge (Internally Displaced People/IDPs) stieg seit Anfang Mai massiv an. Bis Ende Juli verließen annähernd eine Viertelmillion Menschen in dem Land ihre Dörfer und Städte. Die UNO-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe (OCHA) bezifferte die Zahl am Montag auf mehr als 244.000 - mehr als vier Mal so viel wie im gleichen Zeitraum des Vorjahrs. Der Großteil der Binnenflüchtlinge floh demnach aus Provinzen im Nordosten und Osten vor bewaffneten Kämpfen.

Insgesamt leben in Afghanistan etwa 37 Millionen Menschen. Nach Schätzungen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) verlassen jede Woche etwa 30.000 Afghanen ihr Land. Die Schätzungen basieren auf Umfragen bei Migranten und Schleppern.

Seit Beginn des Abzugs sind auch die Zahlen der Todesopfer und Verletzten in der Zivilbevölkerung deutlich gestiegen. Die UNO warnt, dass 2021 zum Jahr mit der höchsten Zahl an zivilen Opfern werden könnte.


Kommentieren


Schlagworte