Roland Weißmann zum ORF-Generaldirektor gewählt

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ORF-Vizefinanzdirektor Roland Weißmann wurde am Dienstag im Stiftungsrat zum ORF-Generaldirektor gewählt und löst somit am 1. Jänner 2022 Alexander Wrabetz nach drei Funktionsperioden ab. Der von der ÖVP favorisierte Kandidat erreichte im obersten ORF-Aufsichtsgremium mit türkis-grüner Unterstützung 24 von 35 Stimmen und kam damit auf eine deutliche Mehrheit.

Weißmann versammelte den gesamten bürgerlichen „Freundeskreis“ hinter sich. Auch die drei grün-nahen Stiftungsräten votierten für ihn. Die restlichen Stimmen entfielen auf den Stiftungsratsvorsitzenden Norbert Steger sowie weitere von den derzeitigen Regierungsparteien gemeinsam entsandte unabhängige Räte und zwei den Bürgerlichen nahestehende, vom ORF-Zentralbetriebsrat entsandte Räte.

Der amtierende ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz erhielt 6 Stimmen. Dabei stimmte der SPÖ-“Freundeskreis“ geschlossen für ihn. Die sechste Stimme stammt von Siggi Neuschitzer, der einst von den Freiheitlichen bestellt und später von der SPÖ-geführten Landesregierung verlängert wurde. ORF-1-Channelmanagerin Lisa Totzauer kam auf 5 Stimmen - davon drei von FPÖ-nahen Stiftungsräten, eine der von den NEOS entsandten Rätin Anita Zielina sowie die ORF-Zentralbetriebsrätin Christiana Jankovics. ORF-Vize-Technikdirektor Thomas Prantner als auch Harald Thoma erhielten keine Stimmen.

„Man muss von einer Zäsur sprechen“, reagierte SPÖ-“Freundeskreisleiter“ Heinz Lederer unmittelbar nach der Wahl gegenüber Journalisten auf das Ergebnis. Die Anzahl von 24 Stimmen deute darauf hin, dass die „Checks and Balances“ nicht mehr eingehalten würden. „Das ist eine bestehende Sorge“, so Lederer. Man werde Weißmann keine 100 Tage Schonfrist geben, sondern sofort - und vor allem ab 16. September - mit „großer Aufmerksamkeit verfolgen, dass das Gesamtgefüge nicht verletzt wird“. Und weiter: „Wir werden jede Gelegenheit nützen, um uns zu melden. Macht braucht Kontrolle“, unterstrich Lederer mehrfach. Enttäuscht zeigte er sich von den Grünen, die allesamt für Weißmann stimmten.

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„Der neue ORF-Generaldirektor Roland Weißmann verbindet journalistische, programmwirtschaftliche und digitale Kompetenz, und er ist vor allem ein Teamplayer - genau das braucht der ORF für seine Zukunft“, sagte indes Thomas Zach, Leiter des bürgerlichen „Freundeskreises“. Mit dem heutigen Ergebnis stehe eine breite Mehrheit im Stiftungsrat hinter einem digitalen Reformkurs für den ORF - die Bestellung von Weißmann sei ein klares Signal für die ambitionierte Weiterentwicklung des größten österreichischen Medienunternehmens.


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